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Dienstag, 17. Oktober 2017 20° 1

Die Abzock-Masche

Verbraucherschützerin warnt vor Trick mit MahnbescheidenVon Manfred Rohm

Wer auf falsche Rechnungen nicht reagiert, muss zahlen. Foto: Sander

Regensburg. Als der Regensburger Lehrer Hans Magerer (Name geändert) die Rechnung einer norddeutschen Telefonservice-Firma über 39 Euro für ein angeblich geführtes Gespräch bekam, dachte er an einen Irrtum. Er warf die Rechnung weg. Zwei Monate später bekam er einen gerichtlichen Mahnbescheid. Er glaubte immer noch an einen Irrtum und ließ die Widerspruchsfrist verfallen. Damit tappte Hans Magerer in eine Falle.

DasGesetzhilft den Betrügern

„Wer einem gerichtlichen Mahn- oder Vollstreckungsbescheid nicht innerhalb von 14 Tagen widerspricht, erkennt die Forderung nach dem Gesetz an“, sagt der Regensburger Richter am Amtsgericht, Thomas Frick. Ob die Forderung jemals rechtens war, das ist dabei egal. „Die Richter überprüfen nicht, ob die Rechnung zu Recht gestellt wurde“, erklärt Frick. „Das passiert erst, wenn Widerspruch eingelegt wird.“

Dabei sind Mahn- und Vollstreckungsbescheide leicht zu erwirken. Jeder kann sie gegen jeden bekommen, wenn er eine Bearbeitungsgebühr bezahlt. Was einmal als Hilfe für kleine Handwerker gedacht war, die mit geringem Aufwand Forderungen eintreiben können, nutzen jetzt Betrüger, um die Leute abzuzocken.

Schindludermit Rechnungen

Die Regensburger Verbraucherschützerin Helgit Kadlez kennt eine Vielzahl solcher Fälle. „Gerade mit Rechnungen im Telefonbereich wird jede Menge Schindluder getrieben“, weiß sie aus Erfahrung. Es sind nicht die Rechnungen der Telekom mit angeblich angewählten teueren 0190-er Nummern, die sie beschäftigen. „Da kommen irgendwelche Firmen, meist aus Norddeutschland, und die stellen Rechnungen über angebliche Gespräche ins Ausland. Der Betrag liegt fast immer bei etwa 39 Euro“, erzählt sie. Und immer würden die Adressaten Stein und Bein schwören, diese Gespräche nie geführt zu haben, so die Verbraucherschützerin.

Sie gibt in solchen Fällen den Rat, die erste Rechnung zu ignorieren. „Wenn dann aber eine gerichtliche Mahnung kommt, muss auf alle Fälle Widerspruch eingelegt werden. Den Kopf in den Sand stecken und abzuwarten ist absolut verkehrt.“

In den meisten Fällen hat die Taktik Erfolg. „Die Rechnungssteller trauen sich nicht, die Forderung weiter zu verfolgen. Sie wissen ja, dass sie zu Unrecht erfolgte“, hat Kadlez erkannt.

Viele zahlen die Rechnung aber zähneknirschend, spätestens wenn der gerichtliche Mahnbescheid kommt. „Die meisten scheuen die Scherereien und eventuelle Mehrkosten“, sagt Kadlez. Und sie schimpft: „Es ist eine Schande, dass der Gesetzgeber kein Interesse hat, solchen Ganoven bei ihren Geschäften einen Riegel vorzuschieben.“

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