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Freitag, 28. April 2017 6

Fürstliche Vielfalt im Brauhaus

Ein Gasthaus

Weiß-blaue Gastlichkeit in der bildschön sanierten Remise: Daniela Reichelt (Mitte) bedient im „Fürstlichen Brauhaus“ zu Regensburg.Foto: altrofoto.de

Große Versprechen sind schwer zu halten. Wenn ein Lokal unter „fürstlich“ firmiert und in der Karte 16 Seiten Gerichte und Getränke offeriert, schrillen beim Gastro-Tester die Alarmglocken. Doch nach der Zungenprobe sind alle inneren Warnlämpchen erloschen. Der Gast geht etwas matt und sehr satt.

In der Kutschen-Garage der Fürsten steht heute ein glänzender Braukessel und unter hohem Gewölbe reihen sich gediegene Holztische. Thurn und Taxis hat die Remise solide und bildschön saniert. Entstanden ist eine Enklave weiß-blauer Gastlichkeit mit hohem Promi-Faktor – manchmal isst die Fürstin hier – und von wahrhaft bourbonischen Ausmaßen, mit drinnen reichlich Platz für 200 Menschen, draußen für 170 mehr. An einem faden Montagabend sind überraschend viele Tische belegt. Im Sommer lockt die Terrasse am Alleengürtel, einer der schönsten Freisitze Regensburgs.

Wir wissen nicht, ob Fürsten gerne „Dreierlei zum Bier“ oder Bierradi essen; einem Brauhaus steht die Brotzeiten-Vielfalt jedenfalls gut. Sogar das schlichte Schnittlauchbrot kommt hier zu Ehren. Überhaupt die Vielfalt: Gästen sei geraten, sich Zeit für das Studium der Karte zu nehmen. Frühstücke, Salate, Suppen, Pfandln, Longdrinks, sogar Bier-Cocktails und eine im Bierlokal überraschend lange Wein-Liste: Das Auge hatte reichlich zu tun. Den Zeitfaktor glich die Küche spielend aus. Trotz der vorsorglichen Warnung in der Karte „Gut Ding will Weile haben“, stand unser Essen blitzschnell am Tisch, serviert von einer sympathischen jungen Bedienung, die uns nichts vermissen ließ. Uns gefielen eine leichte Meerrettichsuppe mit Ochsenfleischstreifen, die vielleicht etwas schärfer hätte sein können, und ein Treberbrot-Salat mit Oliven, Tomaten, Fetakäse und Zwiebeln. Das Brot, großzügig in Schmalz und Balsamico getaucht, weckte eine gelinde Gier und verriet eine Vorliebe des Kochs für Butter und Schmalz, die wir mit Genuss teilten.

Im Fischpfandl – gebratene Barschfilets, Blattspinat, würzige Senfsoße – waren die gebackenen Würfelkartoffeln eine Entdeckung. Das Krönchen hatte aber der Rinderschmorbraten verdient: Mürbes Fleisch, eine sämig gehaltvolle Dunkelbiersoße, glänzendes Griebenschmalzblaukraut und vor allem ein Semmelknödel, wie ihn sich Knödelesser nicht besser wünschen können: voluminös und weich, ein hingebungsvoller Diener der Soße.Marianne Sperb

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