mz_logo

Nachrichten
Samstag, 18. November 2017 5

Geprüft auf Herz und Nieren

02-Club Niederbayern: Drei Dutzend Gralshüter der BMW-Geschichte schrauben oft nächtelang für eine schnelle RundeVon Reinhold Kober, MZ

  • Im Zeichen des Propellers: Die „BMW-Narrisch’n“ haben sich ihren weiß-blauen Himmel auf die vertraute Heimaterde geholt.
  • Das Cockpit im Baur-Cabrio 1600-2
  • Blitzblank poliert und vor Kraft nur so strotzend: Das „Waffenlager“ des BMW 2002 Alpina A4S.

Das Ende kommt auf dem Salzburgring. Robert Fuchs (47) beschleunigt die 170 Pferde aus dem aufgemachten Zwei-Liter-Motor, vom BMW 2002 in seinen roten 1802 transplantiert, aus der Fahrerlagerkurve und rast auf die erste Bosch-Schikane zu. Es sollte für lange Zeit seine letzte schnelle Runde werden. Vielleicht deswegen hat sich jede Zehntelsekunde in seine Erinnerung eingebrannt. Das Fahrzeug, in dem alleine der Pilot ohne technische Helfer Traktion, Stabilität und Geschwindigkeit kontrolliert, vibriert bereits beim Anbremsen der Kompression. Robert Fuchs merkt erst jetzt, dass er viel zu schnell dran ist.

Sein letzter Gedanke vor dem Unfall: „Hoffentlich ist mein Null-Zweier nicht so kaputt, dass ich ihn nicht mehr aufbauen kann.“ Den Gründer der 35 Mitglieder zählenden Anhängerschar 02-Club Niederbayern „hat’s nausg’haut“, formuliert er. Das klingt fast, als rede er über ein harmloses Mensch-ärgere-Dich-nicht-Spiel.

Ein angehender Mediziner hatte sich den straff designten Sportler, mit elektrischem Schiebedach ausgestattet sowie granatrot-metallic lackiert, im November 1973 geleistet. Vier Jahre später entdeckt ihn der damals 19-jährige Schreiner aus dem niederbayerischen Vornbach am Inn -- und ist sofort infiziert. Ein Gutachter taxierte jetzt den Klassiker mit der tief sitzenden BMW-Niere auf 17000 Euro. Bezahlt hat Robert Fuchs vor 28 Jahren 5000 Mark dafür. Das klingt nach Geschäft. Der 47-Jährige schmunzelt mitleidig. „Motor 15000 Mark, Getriebe 5000 Mark, Hinterachse 3000 Mark, vorne und hinten höhenverstellbares Fahrwerk von Fichtel&Sachs sowie Federn dazu 2500 Mark, Fächerkrümmer und Turbo-Töpfe, je 1800 Mark. Nicht mitgerechnet sind dabei tausende Arbeitsstunden und zwei Ehen.“

Aufwand und Ergebnis stehen in einem Verhältnis, das alle Pragmatiker in ihrem Daihatsu oder Daewoo nur fassungslos den Kopf schütteln lässt. Als 1802-Pilot Fuchs im Herbst 1992 wochenlang durch den Freistaat zieht und an sämtlichen in Frage kommenden Fahrzeugen die Nachricht hinterlässt, dass er am genannten Tag sowie Ort die Gründung einer Interessengemeinschaft beabsichtige, ist auch die Sehnsucht nach Verständnis Triebfeder. Denn mit wem will man sich darüber austauschen, drei Nächte lieber einen Rennauspuff aus Edelstahl einzubauen als zu schlafen? Josef Stangl (42) kann dabei nichts Bedenkliches finden.

Ob es wohl daran liegt, dass er für seine aktuell zwölf Null-Zweier, drei M3 und einen M5 drei Kilometer vom heimischen Fürstenzell gleich eine Halle angemietet hat? „I’ bin halt a BMW-Narrischer“, sagt der sympathische Schlosser, der zeitweise zwei Jobs macht, um sich ein nicht alltägliches Hobby leisten zu können. Sein Stolz sind ein 2002, den Alpina zum A4S machte, und ein M3 der Ausbaustufe Evo III. Von den 600 für die DTM produzierten Boliden gehört noch ein weiterer, im Besitz von BMW-Verkäufer Manfred Arbinger (36) aus Vilshofen, zum Fuhrpark des Clubs.

Wer wie die Gralshüter der Motorsport-Geschichte made in Munich der Seele weiß-blauer Leistungs-Philosophie so nah ist, der duldet natürlich auch keinen Zweifel. Alles muss ermittelt und dokumentiert werden. „Ich weiß, wer an welchem Tag des Jahres 1972 das Aggregat des Autos wie gefertigt hat, von Alpina habe ich mir anhand der Seriennummer alle Herstellungsdaten zusenden lassen“, teilt Sepp Stangl mit. 181,4 PS meldet der Enthusiast präzise selbst vom Leistungsprüfstand.

Auf den Null-Zwei-Treffen in ganz Europa -- die Niederbayern laden zu ihrem am 13. August in Kirchdorf am Inn auf den Flugplatz ein -- ist der 42-Jährige bei den Juroren beliebt, bei der Konkurrenz gefürchtet. Dabei wäre sein grün-metallic lackiertes Modell nach nur 40000 Kilometern fast in der Schrottpresse gelandet, da sich der bissige Motor und die engen niederbayerischen Straßen einst für ein Ehepaar aus Bad Homburg auf seiner Urlaubsreise als unheilvolle Kombination erwiesen hatten. Er hat’s gerettet.

Was aber ist nach dem Salzburgring-Crash aus dem Schmuckstück von Robert Fuchs, dem bayerischen Pionier der Youngtimer-Szene, geworden? Erneut drängt sich die Parallele Mensch-ärgere-Dich-nicht-Spiel auf. Als wäre er beim Kinderspaß geworfen worden und müsste das Rennen von vorne beginnen, hat er seine Teile zusammengesammelt, die eigenen Blessuren verarztet und sich wieder unter die Kiste gelegt. „Mein Vater war der Vorstand in einem Sportverein“, erzählt er aus Kindertagen. Die Arbeitsverteilung ist ihm haften geblieben. Daher: „Jeder hilft jedem.“ Bloß aufbauen, sagt Fuchs, würde er kein Auto mehr. Das muss man nicht so ernst nehmen.http://www.02-club.de/

Die Kommentarfunktion steht exklusiv unseren Abonnenten zur Verfügung. Als Abonnent melden Sie sich bitte an oder registrieren Sie sich. Alle anderen Nutzer finden preiswerte Angebote in unserem Aboshop.

Anmelden Registrieren Zum Abo-Shop

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht