Regelmäßiges Training ist wichtig: Diensthund Vektor beim Überwinden einer über zwei Meter hohen Barrikade mit seinem Hundeführer, Polizeioberkommissar Karl Zitzelsberger. Foto: Klasse 6a
Von der Klasse 6a des SFZ Regenstauf
Oberhinkofen. Aufgeregt schnüffelt Koko in der Scheune herum. Am dort abgestellten Wohnwagen – nichts. An einem Traktor – nichts. Dann kommt er zu einem Holzstoß. Er schnuppert, dann legt er sich auf den Boden und bellt. Der Hundeführer kommt und zieht ein Kästchen aus dem Holzstoß. Koko hat den versteckten Sprengstoff gefunden. Anschließend ist Cash an der Reihe. Er entdeckt in einem der Eisenrohre neben dem Wohnwagen ein Röhrchen mit Rauschgift. Darauf hatte Koko zuvor nicht angeschlagen – jeder der Spürhunde ist auf eine andere Substanz spezialisiert.
Wir sind zu Besuch auf dem Trainingsgelände der Diensthundegruppe der Operativen Ergänzungsdienste (OED) Regensburg. Die Beamten haben uns vorgewarnt, dass uns kein „Streichelzoo“ erwartet. Der Leiter der Hundestaffel, Polizeihauptkommissar Rudolf Steger, zeigt uns das Gelände und die Unterkunft der Hunde, die aufgeregt und angespannt auf ihren Einsatz warten. Wir erfahren, dass der Hund schon seit der Steinzeit Begleiter und Helfer des Menschen ist.
Spürhunde haben ganz feine Nasen
Seit dem Jahre 1962 bildet die bayerische Polizei Diensthunde aus. Rauschgiftspürhunde sind seit 1968 im Einsatz. Auf die Idee, Hunde als Mitarbeiter einzusetzen, kam man deshalb, weil diese einen besonders stark ausgeprägten Geruchs- und Gehörsinn haben. So ist beispielsweise ihr Riechorgan eine Million Mal besser als das eines Menschen. Eingesetzt werden die „Schnüffelnasen“ zur Verbrecherjagd, dazu gehören unter anderem Delikte wie Einbruch, Diebstahl und Vergehen gegen das Betäubungsmittelgesetz, was aber nicht heißt, dass der Hund süchtig gemacht wird.
Auch zum Aufspüren von Sprengstoff, Brandmittel, neuerdings sogar zur Entdeckung von Falschgeld sind die Vierbeiner von unschätzbarer Bedeutung. Auch die Spurensuche nach vermissten Personen und das Auffinden von Leichen stehen im Mittelpunkt ihrer Aufgaben. Hochmotiviert, mit weit heraushängender Zunge – die Körpertemperatur ist mittlerweile um zwei Grad Celsius gestiegen – machen sie sich an ihre Arbeit. Oberstes Ziel ist aber der Schutz des Lebens ihres Herrchens, des Hundeführers.
Besonders geeignet für diese umfangreichen Vorhaben sind bestimmte Rassen wie Deutscher Schäferhund, Belgischer Schäferhund, Boxer und Riesenschnauzer, aber auch Mischlinge können im Einzelfall eingesetzt werden, wenn sie die Voraussetzungen erfüllen. Diese sind Schutztrieb, körperliche Gewandtheit, Angstfreiheit, Gesundheit, Gehorsam und Kampfbereitschaft bis hin zum Verbeißen.
Das Geschlecht spielt übrigens keine Rolle. In unserer Gruppe befinden sich momentan zwei Junghunde, fünf Rauschgiftspürhunde, drei Sprengstoffspürhunde und ein Personensuchhund. Die Ausbildung kann in der Regel beginnen, wenn die Tiere ein Alter zwischen einem und drei Jahren haben. Besonders begabte Welpen können aber auch schon mit zehn Monaten zum Gehorsam erzogen werden. Die Kommandos lauten dann: Geh! Sitz! Platz! Hier! Aus! Such! Steh!
Die Grundausbildung dauert sechs bis zehn Wochen. Die Zentrale Diensthundeschule der bayerischen Polizei befindet sich in Herzogau bei Waldmünchen. Hier werden die jungen Hunde zum Polizeidiensthund ausgebildet. Dafür stehen neben einer modernen Zwingeranlage mit Hundeplatz ein auf die polizeilichen Bedürfnisse abgestimmter Hindernis- und Trainingsparcours zur Verfügung. Daneben wird auch in einer sogenannten „Echt-Umgebung“ – etwa einem Firmengelände – geübt und trainiert. Nach der Grundausbildung folgt je nach Eignung des Hundes eine acht- bis 13-wöchige Spezialisierung.
Jedes Tier wird einem Hundeführer zugeteilt. Dieser übernimmt ab sofort die volle Verantwortung und das regelmäßige Training für sein weiteres „Familienmitglied“. Es entwickelt sich eine enge Bindung zwischen den beiden. Auch nach Dienstschluss sind sie beisammen. Die Arbeitszeit beträgt täglich bis zu acht Stunden, maximal zehn Minuten am Stück, außer der vierbeinige Spezialist kann oder will einmal nicht mehr. Das ist aber selten der Fall. Die Hunde sind meist höchst motiviert bei der Sache. Sie sind stets auf Tuchfühlung mit ihrem Herrchen und schauen mit weit heraushängender Zunge erwartungsvoll zu ihm auf und freuen sich auf das nächste Kommando, welches sie pflichtbewusst und diensteifrig befolgen.
Nach zehn Jahren in den Ruhestand
Bei unserem Besuch bekommen wir einen umfassenden Einblick in die tägliche Arbeit. Wir sehen zu, wie Cash, Koko, Lenox, Anuk, Nathan, Vektor und Franka in der Scheune Sprengstoff entdecken oder ein Päckchen mit Rauschgift suchen, Hindernisse überwinden oder einen Slalomparcours bewältigen. Auch das Durchqueren einer Menschenansammlung darf für Polizeihunde kein Problem sein. Die Voraussetzung für alle diese Aufgaben ist eine jederzeit abrufbare Kondition. Nach getaner Arbeit darf eine Belohnung selbstverständlich nicht fehlen. Nur durch ständiges Training bleiben die Hunde fit und sind jederzeit in der Lage, die normale Polizeiarbeit zu unterstützen. Was für den Hundeführer sein Overall ist, ist für den Vierbeiner die sogenannte „Kenndecke“ mit der Aufschrift „Pol“. Selbstverständlich und vorschriftsmäßig ist auch die jährliche Gesundheitskontrolle beim Tierarzt. Hierzu gehören auch sämtliche Schutzimpfungen, etwa gegen Tollwut und Katzenseuche.
Nach Dienstschluss nimmt der Hundeführer täglich seinen Mitarbeiter zu sich nach Hause. Hier erwartet ihn eine den Standards entsprechende Unterkunft und seine Lieblingsnahrung. Futtergeld und alle anfallenden Kosten werden selbstverständlich von der zuständigen Dienststelle übernommen. Am Ende seiner Dienstzeit im Alter von etwa zehn bis zwölf Jahren geht der Polizeihund in den wohlverdienten Ruhestand. Den verbringt er im Normalfall in gewohnter Umgebung auch bei seinem ehemaligen Partner.