Klavierbaumeister Peter Endriss erklärt den Schülern, wie die Klaviatur aufgebaut ist. Foto: 2. Klasse
Von der 2. Klasse der Grundschule der Regensburger Domspatzen
Laaber bei Regensburg. Wenn ein Auto kaputt ist, kommt es in die Werkstatt. Aber was macht man mit einem Klavier oder einem Flügel, die nicht mehr gut klingen? Auch dafür gibt es Spezialisten – wie den Klavierbaumeister und Klavierstimmer Peter Endriss. In seiner Werkstatt in Laaber hat er gerade eine Klaviatur aufgebockt, also nur die Tasten des Klaviers. Den Klangkasten hatte er schon entfernt, die Klaviatur alleine erinnert ein wenig an ein Keyboard.
Doch etwas ist ungewöhnlich: Heutige Klaviere haben 88 Tasten – 36 schwarze und 52 weiße. Dieses Klavier hat aber nur 85 Tasten! „Es handelt sich um ein historisches Instrument“ erklärt Peter Endriss. Ein Kunde hat es ihm zur Reparatur gegeben, weil der Klang nicht mehr so gut ist. Das liegt auch daran, dass sich im Spielwerk des Klaviers Schmutz angesammelt hat. Der Klavierbauer muss das Instrument also reinigen – und wir dürfen ihm dabei helfen. Das ist besonders spannend, weil viele von uns selbst Klavier spielen.
Ein Klavier hat 12.000 Einzelteile
Um die Klaviatur richtig sauber zu bekommen, muss man die einzelnen Tasten auseinandernehmen. Aber zuerst ziehen wir Handschuhe an – so ein altes Instrument ist schließlich empfindlich. Vorsichtig nehmen wir die Tasten der Reihe nach aus der Klaviatur und legen sie auf die Werkbank. Die Tasten haben kleine Löcher und an der Klaviatur sind Stäbchen befestigt, auf die die Tasten dann gesteckt werden. Zuerst reinigen wir diese kleinen Löcher mit einer Art Pfeifenputzer. Als nächstes sind die Stäbchen dran. Hier benutzen wir einen Lappen, Wasser und spezielles „Klavier-Spülmittel“. Der Lappen darf aber nur feucht sein, nicht nass. Es ist praktisch, dass wir kleine Finger haben, da die Stäbchen nah beieinander stehen.
Als alles sauber ist, setzen wir die Tasten wieder in die Klaviatur ein. Sie sind übrigens viel länger als man das normalerweise sieht. Peter Endriss benutzt eine Spezialzange, um die Tasten wieder einzupassen. „Fühlt mal, ob das glatt ist“, fordert er uns auf. Der Klavierbauer erzählt uns viele interessante Dinge rund um die Instrumente. Wir können kaum glauben, dass ein Klavier oder ein Flügel aus 12000 Teilen besteht – davon 6000 in der Mechanik. „Das ist so viel wie ein Igel Stacheln hat“, sagt Peter Endriss.
Vorsichtig reinigen die Schüler die Klaviertasten. Foto: Klasse 2
Er weiß auch, dass ein Klavier 240 Saiten hat und 250 Kilo wiegt – also etwa so viel wie acht 30 Kilogramm schwere Kinder. Als Klavierbauer muss sich Peter Endriss außerdem mit Holz gut auskennen – daraus werden die Instrumente schließlich gemacht. „Für einen Klavier- und Cembalobauer ist langsam gewachsene und astfreie Fichte so wertvoll wie Gold“, erklärt er uns. Daraus wird zum Beispiel der Klangkörper gefertigt, die Seele des Klaviers, wie Endriss sagt. „Fichtenholz ist ein Klangholz. Instrumente, die man damit baut, klingen gut.“
Fichte ist aber nicht das einzige Holz, das er verwendet – auch Buche, Ahorn, Eiche oder Mahagoni kommen zum Einsatz. Für historische Instrumente wie Cembalos verwendet Endriss Nussbaum. Und dann gibt es noch Abachi, ein Holz, das aus Afrika stammt. Wenn man es frisch ansägt, verströmt es einen unangenehmen Geruch. Als Lehrling dachte Endriss, eine Katze habe in die Werkstatt gemacht, aber es war nur das Holz.
Abachi wird für Flügelklappen verwendet, weil es sich nicht verformt, sondern stabil bleibt. „Verschiedene Hölzer verwendet man, weil sie unterschiedliche Eigenschaften haben.“
Bis man ein Stück Holz zum Instrumentenbau benutzen kann, muss es mindestens zwei Jahre an der Luft trocknen. Endriss hat aber auch zehn Jahre alte Hölzer in seiner Werkstatt – je länger lagernd, desto besser. Wenn das fertige Klavier dann zuhause steht, ist eine konstante Luftfeuchtigkeit wichtig, damit sich das Instrument nicht so schnell verstimmt. Manche Klaviere haben deshalb ein „elektronisches Klimakontrollgerät“ – eine Art kleiner Kasten, der im Klavier eingebaut wird. So lässt sich die Luftfeuchtigkeit von selbst gut regulieren.
Wir bauen ein eigenes Instrument
Um das Holz zu bearbeiten, braucht Klavierbaumeister Peter Endriss eine Menge Werkzeug: Säge, Hobel, Stemmeisen, Zwingen, Bohrmaschine, Presse, eine Lackieranlage und einen Stimmhammer. Auf einem Klavier in der Werkstatt spielt er uns dann etwas vor und auch ein paar von uns dürfen zeigen, was sie gelernt haben. Adrian spielt Jingle Bells. „Die Klaviere klingen gut, ganz hell“, sagt er. Wir staunen, dass der Deckel einen Stopper hat und ganz langsam von selbst zugeht.
Die Schüler mit ihren selbstgebauten Instrumenten. Foto: Klasse 2
Nach einer kleinen Pause mit Brotzeit auf der Terrasse werfen wir einen Blick in den zweiten Verkaufsraum. Hier stehen noch etwa ein Dutzend neuer Klaviere und ein glänzender Flügel. Es riecht nach Lack und Holz. Peter Endriss überrascht uns mit der Aussage, dass verschiedene Tiere in so einem Klavier stecken: Hirsch, Schaf und Elefant. Der Hirsch steht für die Lederteile, Filzscheiben und Hammer sind aus Schafwolle und für die Tasten hat man früher Elfenbein – also die Stoßzähne von Elefanten – und Mammutknochen verwendet. Heute nimmt man ein anderes Material, etwa Kunststoff.
Dann geht es wieder in die Werkstatt: Diesmal dürfen wir selbst ein Instrument bauen! Zuerst bekommen wir ein kleines Brett, das wir mit Schleifpapier und Schwämmchen abschleifen, bis es ganz glatt ist. Die andere Gruppe sägt mittlerweile mit einer japanischen Säge kleine Rundhölzer durch. Die müssen anschließend auch glattgeschliffen werden. Dann legen wir das Rundholz auf das Brettchen und spannen mehrere Gummis darüber. An denen kann man jetzt zupfen und so Töne erzeugen. Wenn man das Rundholz verschiebt, ändert sich der Ton. Und wenn man das Brettchen auf den Tisch legt, wird der Ton lauter, weil mehr Resonanz da ist.
Es war ein sehr interessanter Vormittag und wir haben viel über Klaviere erfahren. Vielen Dank dafür!