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Börse

Kein Ende des Börsenrauschs in Sicht

Wohin mit dem Geld, fragen sich Investoren in Zeiten ultraniedriger Zinsen. Aktien scheinen Alternative zu sein. Doch wie lange hält der Börsenhype?
Friederike Marx, dpa.

Rund 1500 Punkte gewann der Dax seit Jahresanfang hinzu, erstmals in seiner 25-jährigen Geschichte knackte der deutsche Leitindex die Marke von 9000 Punkten. Foto: dpa

Frankfurt/Main.An den Börsen rund um den Globus herrscht Partystimmung: Die ultralockere Geldpolitik der großen Notenbanken treibt Dax & Co. seit Jahresbeginn von einem Rekord zum nächsten. Wasser in den Wein goss zuletzt allerdings der bekannte US-Investor Carl Icahn: Er zeigte sich angesichts des erreichten Kursniveaus vorsichtig. Droht demnächst ein Kurssturz oder gar ein Börsencrash?

Die Zahlen sind eindrucksvoll: Rund 1500 Punkte gewann der Dax seit Jahresanfang hinzu, erstmals in seiner 25-jährigen Geschichte knackte der deutsche Leitindex die Marke von 9000 Punkten. An der Wall Street nahm der Dow Jones die Hürde von 16 000 Zählern.

Viele Beobachter sind zuversichtlich, dass die gute Stimmung anhält, solange die Geldschwemme der Notenbanken weitergeht. „Die Situation dürfte sich erst ändern, wenn die US-Notenbank den Hebel umlegt und mit dem schrittweisen Ausstieg aus der ultralockeren Geldpolitik beginnt“, sagt Fidel Helmer, Leiter des Wertpapierhandels der Privatbank Hauck & Aufhäuser.

Ende des Billiggelds nicht in Sicht

Ein Ende des Billiggeldes in den USA und Europa zeichnet sich derzeit allerdings nicht ab. Der Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB), Mario Draghi, bekräftigte nach der jüngsten Zinssenkung das Billiggeld-Versprechen der Notenbank: Der EZB-Rat gehe davon aus, dass die Zinsen im Euroraum für einen längeren Zeitraum auf dem aktuellen Niveau oder darunter liegen werden

Die US-Notenbank hat zwar anders als die EZB den Einstieg in den Ausstieg angekündigt. Doch der Zeitpunkt ist ungewiss. Zeitweise sorgten Hinweise auf eine mögliche Drosselung der milliardenschweren Anleihekäufe durch die Fed für Unruhe an den Börsen. Viele Beobachter halten allerdings die Festlegung der Notenbank auf noch lange rekordniedrige Zinsen zur Stützung der Wirtschaft für entscheidender.

Aktienstrategen der Deutschen Bank und der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) halten einen Anstieg des Dax auf 9800 Zähler bis Ende 2014 für denkbar. „Selbst ein zeitweises Allzeithoch von 10 000 Punkten liegt im Bereich des Möglichen“, sagt LBBW-Aktienstratege Berndt Fernow.

„Was soll man mit dem Geld machen, wenn Alternativen nichts bringen“, beschreibt Robert Halver, Marktstratege bei der Baader Bank, das Dilemma der Anleger. Denn Staatsanleihen, Sparbuch und Festgeld werfen fast nichts mehr ab. Nach Abzug der Inflation verlieren Anleger mit Sparbuch oder Tagesgeld teilweise sogar Geld.

Anleger so risikobereit wie vor der Finanzkrise

Die Risikobereitschaft der Anleger sei so hoch wie seit mehr als sechs Jahren nicht mehr, meint die Heleba und warnt: „In der Vergangenheit war eine derart ausgeprägte Sorglosigkeit häufig ein Anzeichen einer bevorstehenden Konsolidierungs- oder sogar Korrekturphase.“

Für einen Stimmungseinbruch könnten zum Beispiel ein erneuter Rückfall der Eurozone in die Rezession, eine voreilige Zinswende in den USA oder eine Eskalation des US-Haushaltsstreits sorgen, meint LBBW-Chefvolkswirt Uwe Burkert. Allerdings hält er solche Szenarien für unwahrscheinlich.

Doch die Medizin, die die Notenbanken der schwächelnden Konjunktur in Europa, den USA und Japan verabreichen, ist nicht ohne Risiken. Nach Einschätzung vieler Ökonomen steigt die Gefahr, dass das Billiggeld Spekulationsblasen an den Finanz- und Immobilienmärkten aufpumpt. Commerzbank-Volkswirt Bernd Weidensteiner formulierte es nach der jüngsten EZB-Zinssenkung so: „Die Politik der EZB wird in den nächsten Monaten die Jagd nach Rendite in Gang halten.“

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