Kultur 20.07.2012, 19:35 Uhr

„Auf das Neue sollte man gespannt sein“

Vor 25 Jahren hat Michael Bleiziffer erstmals am Regensburger Theater inszeniert. Nach 16 Jahren als Oberspielleiter arbeitet er nun als freier Regisseur.

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Was selbstironisch gemeint war, trifft durchaus den Kern: Oberspielleiter Michael Bleiziffer (hier bei der Abschiedsgala „Addio“) genießt für seine Inszenierungen beim Publikum hohe Anerkennung. Foto: altrofoto.de

Was selbstironisch gemeint war, trifft durchaus den Kern: Oberspielleiter Michael Bleiziffer (hier bei der Abschiedsgala „Addio“) genießt für seine Inszenierungen beim Publikum hohe Anerkennung. Foto: altrofoto.de

Von Ulrich Kelber, MZ

Regensburg. „Mir geht es wie einem Vater, der sein herangewachsenes Kind in die Freiheit entlässt, und dann erst einmal selber vereinsamt.“ Michael Bleiziffer räumt ein, dass er ein „bisserl Angst“ hat, betont dann aber: „Ich muss meinem Leben auch zugestehen, mal ein bisschen innezuhalten.“ Das Ende der Theaterspielzeit an diesem Wochenende, bedeutet für den Regisseur eine tiefgreifende Zäsur. 16 Jahre lang war er Oberspielleiter und hat in dieser Zeit dafür gesorgt, dass das Schauspiel in Regensburg, das immer ein wenig im Schatten des Musiktheaters gestanden hatte, einen ganz neuen Stellenwert bekam – was für die künstlerische Qualität genauso gilt wie für den Besucherzuspruch.

Ausverkaufte Vorstellungen sind da fast zur Normalität geworden: „Wir haben die Platzausnutzung des Schauspiels auf das Niveau des Musiktheaters angehoben und sind dort auch all die Jahre geblieben. Das sage ich nicht ohne Stolz.“ Dies sei, so Bleiziffer, an den deutschen Theatern eine ziemlich einmalige Situation. Gutes und anspruchsvolles Theater müsse nicht leere Häuser bedeuten: „Es macht viel mehr Spaß, wenn man mit dem, was man tut, auch ankommt.“ Sein Anliegen sei es gewesen, mit einem vielschichten Spielplan von der Klassik bis zur Moderne die Menschen in Regensburg und der Region zu erreichen.

Theatermann mit Bodenhaftung

Michael Bleiziffer ist ein Mensch, der nicht abgehoben und elitär ist, sondern die Bodenhaftung sucht. Und dies gilt für ihn ganz wörtlich. Er ist sesshaft geworden, lebt seit einigen Jahren mit seiner Familie in einem alten Mühlenanwesen im Ellbogental bei Bernhardswald, ist dort fast zu einer Art Nebenerwerbslandwirt geworden. Hühner, Hasen, Schafe und allerlei weitere Haustiere gibt es bei ihm. Und ein Angler ist er überdies. Die Ruhe, die Natur mit ihren Gesetzmäßigkeiten sind für ihn „ein wunderschöner Ausgleich, den ich brauche zu dem, was ich am Theater tue.“

Wenn man diese Art von Leben sucht, hat das sicher etwas „mit den Wurzeln zu tun“, wie Bleiziffer einräumt. Aufgewachsen ist er im Banat, in dem rumänischen Dorf Sanktanna. Später studierte er in Bukarest, kam dann als Schauspieler und Regisseur an das Deutsche Staatstheater in Temesvar. Bei Verhören durch die Securitate erlebte er den Druck des diktatorischen Ceausescu-Regimes, so dass Bleiziffer von „traumatischen Dingen“ spricht, die ihn bis heute nicht losgelassen haben.

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