Das Meer, die Musiker und die Liebe
Viel Pariser Flair und Musik allererster Güte brachten Götz Alsmann und seine Band ins Regensburger Audimax.
Vibraphonist Altfrid Maria Sicking, Schlagzeuger Rudi Marhold, Bassgitarrist Michael Ottomar Müller, Sänger und Pianist Götz Alsmann und Perkussionist Markus Paßlick entführten die Zuhörer im Audimax in die Stadt an der Seine. Foto: Jens Niering
Regensburg. Zuerst ist da ein peinliches, beklemmendes Gefühl. Denn das hat Götz Alsmann nicht verdient! Zwar ein gut besetzter Mittelblock im Regensburger Audimax, aber ansonsten: weitgehend leere Ränge im endlos scheinenden Betonbunker. Müßig, über Gründe zu spekulieren; also Blick nach vorn zur Bühne. Doch der begnadete Entertainer und Vollblutmusiker Alsmann zeigt einmal mehr, wie kleingeistig und nebensächlich solche Rahmenbedingungen sind.
Denn an diesem Abend ist Alsmann in Paris, vielmehr: Er ist Paris. „Paris, C’est moi!“, schmettert er nach etwa einer Stunde in sein Publikum, das zu diesem Zeitpunkt schon längst das Grau in Grau des halligen Saals vergeben und vergessen hat, das sich schon längst in der Stadt der Liebe wähnt, im legendären Studio Ferber, wo sich Charles Aznavour, Gilbert Bécaud, Charles Trenet, Henri Salvador und Yves Montand die Klinke in die Hand gaben – und Serge Gainsbourg auf dem dortigen Sofa laut Alsmann mit rund 2500 Praktikantinnen seinem Chanson „Je T’Aime“ den letzten Schliff gegeben haben soll.
„In Paris“ – das Programm, die neue CD, die Tour – ist spürbar eine Herzensangelegenheit des Münsteraner Musikers – und ein Risiko, das er und seine Bandkollegen Altfrid Maria Sicking (Vibraphon, Xylophon, Trompete), Michael Ottomar Müller (E-Bass), Rudi Marhold (Schlagzeug) und Markus Paßlick (Perkussion) geschickt umschiffen: Wird das nostalgische Moment zu stark oder zu sehr Klischee, wird ihm mit augenzwinkernder Ironie begegnet.
Dann perkussioniert Paßlick eben kurzerhand mit einem Baguette oder liefert Alsmann – wie seine Musiker im babyblauen Sakko – Anekdoten aus dem schwarzweißen Fernsehkosmos seiner Kindheit, als Kuli in „Einer wird gewinnen“ Monsieur 100000 Volt Gilbert Bécaud empfing. Das Kunststück, in einer Hand eine brennende Zigarette, ein volles Whiskeyglas und ein Mikrofon zu halten, mit der anderen Klavier zu spielen und dazu mit rauchigem Organ „Natalie“ zu singen, beeindruckt Alsmann bis heute. Und er zeigt, dass er das in fast gleich genialer Weise draufhat. In einer seiner wunderbaren Zwischenmoderationen beschreibt er, wie er als Jugendlicher mit seiner idealen Flirttechnik à la Eddie Constantine bravourös scheitert, wohl weil sich mit Fanta statt Whiskey nicht wirklich Staat machen lässt, und er nur ein geseufztes „Ach, Götzi…!“ erntet.

