Das flotte Grenzüberschreiten der Literaten
Der Schriftstellerverband Ostbayern feierte seine 20-jährige Zusammenarbeit mit den westböhmischen Kollegen aus Pilsen.
Marita A. Panzer und Jaroslava Málková (r.), die Vorsitzenden der Schriftstellerverbände, präsentieren die Festschrift „Herzlandschaften“. Foto: altrofoto.de
Regensburg.
Die Kultur ist der Politik immer um eine Nasenlänge voraus. Manchmal sind es auch Lichtjahre. Im Fall der Regionalgruppe Ostbayern des Verbands deutscher Schriftsteller (VS) und der Stadt Regensburg waren es zumindest zwei Jahre, bevor die Stadt Regensburg 1993 eine Städtepartnerschaft mit Pilsen einging, hatte der Schriftstellerverband bereits mit den Pilsener Kollegen angebandelt. Die große Politik hinkte hoffnungslos hinterher: Es ist noch kein Jahr her, dass zum ersten Mal ein bayerischer Ministerpräsident den Weg nach Prag fand.
Bei den Schriftstellern dagegen gab es offensichtlich keinerlei Vorbehalte: Kaum war der Eiserne Vorhang gefallen, setzte man sich zusammen. Genauer gesagt waren es die Tschechen, die auf die Bayern zukamen. Das Protokoll der VS-Sitzung vom 9. August 1991 vermerkt: „Westböhmische Autoren wünschen engeren Kontakt mit uns.“ Zwei Jahre später lag bereits ein handfestes Ergebnis der Beziehungen vor: Das „bayrisch-böhmische Lesebuch“ mit dem Titel „Zwischen Radbuza und Regen“, herausgegeben von Frantisek Fabian, Josef Hrubý und Bernhard Setzwein. Der längst vergriffene, im Amberger Buch- und Kunstverlag Oberpfalz erschienene Band brachte es auf 150 Seiten Erzählungen, Gedichte, Reisereportagen von tschechischen und deutschen Autoren.
Seitdem fanden zahlreiche Treffen und Lesungen statt, aus denen wiederum gemeinsame Publikationen entstanden, 2007 etwa die Wanderausstellung „querfeldein“ (mit Begleitband), bei der zwölf Autoren Texte zu historischen Fotos aus dem Pilsener Skoda-Archiv schrieben, oder 2009 die Anthologie „Setkání na Sumave“ („Treffen im Böhmerwald“). Zuletzt war ein zweisprachiger Literarischer Kalender für 2011 herausgekommen, und nun, als Festschrift zum zwanzigsten Jubiläum, das 90-seitige Bändchen „Herzenslandschaften“, für den 28 Autoren ein Gedicht oder einen kurzen Prosatext beisteuerten, in der Regel nur eine Seite, wiederum zweisprachig: links das Original, rechts die Übersetzung.


