Der Bücherwald und all seine Bäume
Die digitale Revolution hat die Bücher noch nicht niedergestreckt. Im Gegenteil. Dafür haben sie es manchmal aus anderen Gründen extrem schwer.
Die Qual der Wahl: Bücherfreunde haben in Frankfurt mehr als genug zu blättern. Foto: dpa
Frankfurt/Main . Spätestens wenn man auf Gang F in Halle 4.1. zwischen den flankierenden Suhrkampständen steht und von den Regenbogenfarben der bekannten edition empfangen wird, atmet der Facebook-Phobiker und E-Book-Zweifler beruhigt durch. Alles beim Alten! Bis er dann den beinahe verschämt angebrachten Bildschirm entdeckt, und die beiden Ipads, auf denen auch der Suhrkamp-Konzern erste digitale Angebote unterbreitet. Doch noch gibt es auf der Frankfurter Buchmesse mehr als genug zu blättern. Die Qual der Wahl, wenn man nicht, wie eben, aus der Suhrkamp-Area von einer Menschenmenge und Securities rund um den SPD-Kanzlerkandidaten Peer Steinbrück weggespült wird.
An der Kreuzung zwischen den Hallen 3, 4 und 5 hängt an einem Ständer ein Kalender mit „Yogadogs“. Der Setter auf dem Titelblatt steht auf beiden Hinterläufen und hat auch die Vorderläufe in entgegengesetzte Richtung gestreckt, als würde er gevierteilt. Ja, genau, so geht’s auf der Buchmesse. Irgendwie müsste man überall gleichzeitig sein. Oder sieht man nur den Wald vor lauter Bäumen nicht? Wo bitte geht’s zum guten Buch?
Kauend Aug’ in Aug’ mit der Autorin
Ihre Bücherbegeisterung tragen die Buchmesse-Besucher manchmal ja auf ganz merkwürdige Art zur Schau. Trauben von Menschen, wenn Altmeister Martin Walser oder die frischgebackene Deutsche Buchpreisträgerin Ursula Krechel spricht. Aber schon bei Angelika Meier, für ihren wunderbaren Roman „Heimlich, heimlich mich vergiss“ ebenfalls für den Deutschen Buchpreis nominiert, herrscht eher ein emsiges Kommen und Gehen nach Bahnhofsmanier als interessierte Aufmerksamkeit. Und während Angelika Meier aus ihrem Roman liest, und die Worte fallen „...musterte wie einen Zellhaufen...“, steht ein Mann, den Mund weit aufgerissen, direkt vor der Tribüne, quasi Auge in Auge mit der Autorin, und beißt knackend in einen Apfel. Von Distanz keine Spur, von Nähe zur Literatur auch nicht.
Elke Heidenreich kann über mangelnde Akzeptanz von Büchern nicht klagen. Sie hat vor einigen Jahren für ein Luxushotel in Sylt eine Bibliothek eingerichtet und berichtet höchst vergnüglich davon. Zwei Jahre lang hat sie konzipiert, ausgesucht und aufgestellt. „Die Bücher sollten nicht zu dusselig sein, aber auch nicht zu kompliziert.“ 1200 Bücher umfasst die Bibliothek für Urlaubsgäste des gehobenen Geschmacks. 2009 wurde das Hotel Budersand mit Bibliothek eröffnet.

