Kultur 10.07.2011, 21:52 Uhr

Himmlisch swingende Leichtigkeit

Von Bossa Nova bis Samba: Brasilianische Klänge hatten Konjunktur.

Von Michael Scheiner, MZ

Regensburg . „Seven Steps to Heaven“. Miles Davis’ und Victor Feldmans berühmte „Sieben Stufen zum Himmel“ beflügelten im Vitus Posaunist Werner Riedel von „House of Jade“, an Richard Wiedamann und seine großartige Leistung für dieses Festival zu erinnern. Mit Wiedamann und seinem Freund Klaus Caspers, den er im Publikum begrüßte, habe er schon vor – „Wieviel? 40? 42? Bestimmt schon 45 Jahren!“ – zusammengespielt. Auch musikalisch dockte das Münchner Sextett an die Zeit an. Feinster Hardbop, druckvoll, kompakt, mit einem geschmeidigen, in den Soli ausdrucksstarken Bläsersatz. Mit viel Herzblut interpretierten sie Klassiker von Nat Adderley und Hardbop-Pionier Horace Silver bis Freddie Hubbard.

Fehlende Routine machte der junge Straubinger Trompeter Bastien Rieser mit seiner Band „Gewitterbusch-Sample“ im Goldenen Fass durch Begeisterung, beeindruckendes Talent und temperamentvollen Charme wett. Im unzeitgemäßen Afro-Look blies er sich mit seinen Freuden gekonnt durch das Realbook und jumpte vom brasilianischen Samba zu Paul Desmonds „Take Five“, wo die eine oder andere Wendung auf der Strecke blieb.

Ein anderes Kaliber brasilianischer Musik präsentierte im Vitus das Augsburger Quartett „Vatapá“ mit Ute Hitzler (E-Bass), dem Gitarristen Henrique de Miranda Reboucas und Katja Zeitler und Manfred Blass (Schlagzeug). „Es regnet im Rosengarten“, diese wunderschöne Brazilballade im Walzertakt, blieb erfreulicherweise folgenlos, offenbarte aber ein gleichermaßen leichtfüßiges, elegantes und bewegendes Gitarrenspiel, wie man es auch im gitarrenverwöhnten Regensburg nicht zu oft hört. Klassiker wie Antonio C. Jobims „Triste“ und Stücke der bei uns weniger bekannten Nelson Faria und Romero Lobambo gerieten zur perfekte Synthese moderner Jazzgitarre, tänzerischer Samba und dem melancholischen Charme des Bossa Nova.

Aus der gleichen (Welt-)Ecke tönte es am Bismarckplatz mit dem brasilianischen Percussionsstars Marco Lobo und seinen „Convidados“, den Mitgliedern des „Trio ELF“ und Marcia Tubino an der Querflöte und am Saxofon. Vitale, mitreißende Musik und heitere Melodien, die gelegentlich an das einzigartige „Light as Feather“-Ensemble Chick Coreas erinnern und eine ähnlich verzückende Wirkung hat.

Eine ruhigen Ausklang fanden Besucher am Abend im Leeren Beutel mit dem kurzfristig reingerutschten Trio „d`Accord“ des lettischen Akkordeonisten und Komponisten Alexej Maslakov. In seinen gefühlvollen Kompositionen verbindet er melodischen Jazz, osteuropäische Folklore und einen Hauch Musette. Schade nur, dass Bassist Andreas Reif ein elektrisches Instrument spielte, der Klang eines Kontrabasses gäbe der Musik ganz sicher noch mehr Farbe und Tiefe.

 

Umfrage - Ergebnis

 
 
 
Donnerstag 24. Mai 2012
Online Spezial: Haus modernisieren
Haubensak Logo

Wetter

Wolke
26°14°

» Lokalwetter