Kino von damals – so modern wie heute
Die wohl älteste deutsche Stummfilmwoche startet am 2. August zum 30. Mal im Klosterhof des Museums. Unter anderem wird ein Film mit Marlene Dietrich gezeigt.
Buster Keaton in „Trotzheirat“
Regensburg. Mehr als ein Jahrhundert nach Entstehung der laufenden Bilder gewinnt ein neuer Stummfilm einen Oscar. „The Artist“ darf natürlich bei der Regensburger Stummfilmwoche vom 2. bis 11. August nicht fehlen. Die wird heuer 30 und gehört damit zu den ältesten Genrefestivals Deutschlands. Viele Kinofreunde sind überzeugt, es ist das Älteste.
Am Freitag, 3. August, wird das Jubiläum mit einem Gala-Abend gefeiert. Der Eintritt ist frei. Zu diesem Anlass erwartet Nicole Litzel mit der Geigerin Sabrina Zimmermann und dem Stummfilmexperten Werner Sudendorf zwei Stargäste in der kinoaffinen Stadt. Letzterer arbeitet bei der Stiftung Deutsche Kinemathek in Berlin und ist ausgewiesener Marlene-Dietrich-Spezialist. Da Sudendorf nicht stumm, sondern live „coram publico“ auftritt, darf er „aus dem Nähkästchen“ plaudern und Hintergründiges zur Filmgeschichte „von Nosferatu bis zu The Artist“ erzählen.
Wie es um die „Musik im Stummfilm“ steht, dieser Frage geht Sabrina Zimmermann nach. Sie setzt die Arbeit ihres verstorbenen Vaters Aljoscha fort, der als größter Stummfilmkomponist der vergangenen Jahrzehnte gilt.
Litzel hat sich schon als Kind mit dem „Filmvirus“ infiziert. Fernsehen war der gebürtigen Regensburgerin immer „zu entrückt“. Im Kino fühlt sie sich mittendrin, „da hört man die Musiker schnaufen und tausend andere Regungen.“
Seit gut 20 Jahren mischt die 40-jährige Volkswirtin als Mitglied des Arbeitskreises Film (AKF) bei dem alljährlichen Open-Air-Vergnügen im Sommer mit. Anfänglich als Kartenabreißerin, heute stellt sie mit Dario Vidojkovic das gesamte Festivalprogramm auf die Füße. Ehrenamtlich, denn die engagierten Vereinsmitglieder sind jedes Jahr froh, wenn am Ende eine schwarze Null unter der Abrechnung steht.
Neben den Filmmieten schlagen bei den Stummfilmen zusätzlich die Honorare für die Musiker zu Buche, die häufig mit eigens komponierten und sorgsam geprobten Soundtracks in den Innenhof kommen. Letztlich ist es oft ihre Musik, elektronisch, jazzig, verspielt oder streng akustisch komponiert, die den Zuschauern einen individuellen Zugang zur Bilderwelt der 20er Jahre eröffnet. Die Auswahl der Musiker und Ensembles erfolgt deshalb genauso sorgfältig wie die der Filme.

