Kultur 23.08.2012, 19:47 Uhr

Klangwunder wartete auf dem Speicher

Der Klang längst vergangener Tage wird lebendig: Der in Sulzbach entdeckte historische Tangentenflügel ließ am Donnerstag erste Melodien hören.

Der Tangentenflügel aus dem Jahr 1790 wurde gestern der Öffentlichkeit vorgestellt. Foto: dpa

Der Tangentenflügel aus dem Jahr 1790 wurde gestern der Öffentlichkeit vorgestellt. Foto: dpa

Von Thomas Göttinger, MZ

SULZBACH-ROSENBERG. „Da steht irgendein Flügel.“ Als die Familie König vor zehn Jahren auf dem Dachboden ihres Anwesens in Sulzbach-Rosenberg das Instrument entdeckte, war das für die Eigentümer der „Historischen Druckerei J. E. v. Seidel“ offenbar nicht besonders aufregend. 150 Jahre hatte es hinter einem Bretterverschlag geschlummert, unberührt und vergessen. Dass es sich dabei um einen „international bedeutenden Fund“ handelt, wie Michael König sagt, um einen von vielleicht noch zwei oder drei tatsächlich im Originalzustand erhaltenen „Tangentenflügeln“ des 18. Jahrhunderts, hat sich erst sehr viel später herausgestellt. Die Sensation war perfekt.

Das Instrument stammt zweifelsfrei aus der Werkstätte der berühmten Regensburger Klavierbauer „Späth & Schmahl“ und ist 1790 entstanden. Mozart hat die „spättischen Clavier“ sehr geschätzt. Es gab Zeiten, da stand praktisch in jedem besseren Haus ein Regensburger Instrument, wenn auch nicht unbedingt ein „Tangentenflügel“.

Der jedoch, ein Zwischending aus Cembalo und Hammerklavier, bei dem die Saiten durch Holzstäbe, die sogenannten „Tangenten“, von unten angeschlagen werden, war so etwas wie die Spezialität von Franz Jakob Späth und seinem Schwiegersohn Christoph Friedrich Schmahl. Zwischen 1790 und 1805 wurden die Instrumente gebaut. Rund 20 von ihnen sind erhalten geblieben. Freilich sind die jedoch in der Regel kaum spielbar oder durch diverse Überarbeitungen späterer Klavierbauer gezeichnet.

Instrument befindet sich im Originalzustand

Das Besondere an dem Sulzbach-Rosenberger Fund ist denn auch, dass es sich praktisch nach wie vor im Originalzustand befindet. Restaurator Georg Ott vom „Germanischen Nationalmuseum“ in Nürnberg, der sich des Instruments angenommen hat, spricht von „einem der wichtigsten Zeugnisse des 18. Jahrhunderts“.

Alles an dem Flügel ist so, wie es ehedem war. Selbst die textilen Garnituren, mit denen die Mechanik überall bespannt ist, stammen noch aus der Originalzeit. Ott hat das Instrument folglich weniger restauriert, sondern eher konserviert. „Kein Tröpfchen Öl, kein Harz, kein Wachs, nichts ist dran gekommen“, sagt er. Ott ist deshalb auch überzeugt: „Wir sind ganz nah am originalen Klang.“

Umfrage - Ergebnis

 
 
 
 

Mittelbayerische.de Logo