Kultur 05.07.2012, 20:52 Uhr

Musik als die Sprache der Freiheit

Orgelkonzert im Dom mit gelungener Enjott-Schneider-Uraufführung

Von Thomas Göttinger, MZ

REGENSBURG. Am Mittwochabend drehte sich im Dom alles um den Komponisten Enjott Schneider. Seine zwölfte Orgelsinfonie, „Domorganist Franz Josef Stoiber herzlich gewidmet“, wurde uraufgeführt, und natürlich war Schneider persönlich zu diesem Anlass gekommen.

Domprobst Dr. Wilhelm Gegenfurtner begrüßte ihn denn auch mit zwei Sätzen aus der Feder des Komponisten, die viel über dessen Selbstverständnis aussagen. Von der Musik als „der Sprache des Universums und der Sprache der Freiheit“ war da die Rede und davon, dass Musik Kunst sei – „kontra Kommerz und Kapitalismus“.

Schneiders Orgelsinfonie machte freilich nur gut 20 Minuten des mehr als einstündigen Programms aus. Dennoch schien es so, als ob sämtliche Werke des Abends mit Blick auf ihn ausgewählt worden sind. Schon Bachs „Praeludium und Fuge e-moll BWV 548“, von Domorganist Stoiber dicht und souverän interpretiert, dürfen wohl schon allein ihrer „Größe“ wegen als Referenz an die Gattung „Orgelsinfonie“, die Schneider so am Herzen liegt, verstanden werden – auch wenn sich in den beiden Stücken doch eher zwei „Concerti grossi“ verbergen.

Ganz ähnlich verhält es sich mit Marco Enrico Bossis „Scherzo g-moll op 49/2“, einer der meistgespielten Arbeiten des Italieners, das, obwohl notierte Musik, doch den Geist der Improvisation und damit der Freiheit atmet, darüber hinaus aber auch jene musikalische Sinnlichkeit erreicht, die nicht zuletzt auch Schneiders Werken eigen ist. Und auch Franz Josef Stoibers sich anschließende Improvisation über ein eigenes Thema ging da ganz wunderbar in diese Richtung.

Der Höhepunkt des Abends aber war, natürlich, Schneiders Orgelsinfonie. Ausgehend vom gregorianischen Pfingsthymnus „Veni, Creator spiritus“ spannt sich in den vier Sätzen der Sinfonie ein programmatisch subtil austarierter Bogen, der Pfingsten bzw. die damit verbundene Symbolik zum existenziellen Ereignis und damit konkret erfahrbar macht. Wenn sich im letzten Satz der „Tempesta di suoco“ die Harmonik sehr frei und kaum fassbar entfaltet, zum Schluss aber doch zur Gründtönigkeit, also einen für unsere Ohren sicheren Grund, zurückkehrt, dann ist das wohl auch ein Statement Schneiders, das man nicht unterschätzen sollte. Erst recht in der bezwingenden Interpretation von Franz Josef Stoiber an diesem Abend.

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