Kultur 23.05.2013, 17:18 Uhr

Wagners Kunst wird sichtbar

Beim Festkonzert auf dem Grünen Hügel in Bayreuth wird der Schalldeckel gelüftet – und die ganze Klasse des Festspielorchesters hörbar und sichtbar.

Christian Thielemann dirigierte das Sonderkonzert zum 200. Geburtstag von Richard Wagner im Festspielhaus auf dem Grünen Hügel in Bayreuth. Foto: dpa

Christian Thielemann dirigierte das Sonderkonzert zum 200. Geburtstag von Richard Wagner im Festspielhaus auf dem Grünen Hügel in Bayreuth. Foto: dpa

Von Gerhard Heldt, MZ

Bayreuth. Am 22. Mai feierte die Musikwelt den 200. Geburtstag von Richard Wagner. Aus diesem Grunde wurde das Festspielhaus auf dem Grünen Hügel außerhalb der Festspielzeit geöffnet und der Jubilar dort gefeiert, wo er sein Lebenswerk vollendet hat. Das Festspielorchester mit Mitgliedern aus renommierten deutschen und österreichischen Orchestern und Musikhochschulen war zusammengekommen, um – ein wohl einmaliger Vorgang – auf der Bühne und nicht aus dem unsichtbaren „mystischen Abgrund“ einen Abend in gewohnt exzellenter Bayreuth-Qualität zu gestalten. Christian Thielemann hatte die Leitung übernommen.

Wie bei den Festspielen war das Publikum aus aller Welt angereist. Nach Begrüßungsworten von Horst Seehofer war der 1. Aufzug aus der „Walküre“ zu erleben. Die im Vorspiel geschilderte Menschenjagd nahm Thielemann zügig, legte Wert auf die Streicherakzente und ließ das Blech bewusst so direkt klingen, wie man es in Bayreuth sonst nie hört. Mit Eva-Maria Westbroek und Johan Botha war ein stimmlich bestens harmonierendes Wälsungenpaar aufgeboten. Westbroeks lyrisch grundierter Stimme liegen auch die dramatischen Ausbrüche der Sieglinde im 1. Aufzug hörbar gut. In Isoldes Liebestod klang sie unruhiger.

Neue Hörerlebnisse ohne Deckel

Botha singt auch den Tannhäuser, ist aber prädestinierter für lyrischere Partien wie den Siegmund. Wagner lässt den Sänger hier in ausgreifenden melodischen Bögen schwärmen, fordert aber bei den „Wälse“-Rufen heldische Durchschlagskraft, die Botha überzeugend abrufen kann. Kwangchul Youn gab mit sonorem Bass den Hunding. Thielemann nimmt die erotisch-zarten Liebesszenen eindringlich, lässt Ausbrüche nur kontrolliert zu. Die kunstvollen motivischen Verflechtungen werden nicht nur hörbar, sondern, ebenso wie Wagners Instrumentierungskunst, auch sichtbar. Erst zum Schluss „So blühe denn Wälsungenblut!“ gestattete Thielemann dem schweren Blech seinen ungehinderten Auftritt.

 

Umfrage - Ergebnis

 
 
 
 

Mittelbayerische.de Logo