Oberpfalz & Bayern 12.10.2012, 17:57 Uhr

Abrechnung im Kirch-Prozess

Dass die Deutsche Bank den Kirch-Erben Schadenersatz zahlen muss, ist wahrscheinlich. Die Höhe wollten die Richter am Freitag klären – aber es kam anders.

Die Erben des verstobenen Leo Kirch müssen warten. Foto: dpa

Die Erben des verstobenen Leo Kirch müssen warten. Foto: dpa

München. Im Kirch-Schadenersatzprozess gegen die Deutsche Bank geht die Beweisaufnahme doch noch weiter. Das Oberlandesgericht München lud den früheren KirchMedia-Chef Dieter Hahn für den 16. November wegen eines weiteren Beweisantrags überraschend erneut als Zeugen. Ob direkt anschließend die Schlussplädoyers gehalten werden sollen, ließ das Gericht am Freitag offen. Aber weil dies bisher so geplant gewesen war und Deutsche-Bank-Chef Jürgen Fitschen für diesen Tag vorgeladen bleibt, bereiten sich die Anwälte darauf vor.

Die Richter halten einen grundsätzlichen Schadenanspruch der Insolvenzverwalter und der Erben des verstorbenen Leo Kirch inzwischen für sehr wahrscheinlich: Der damalige Deutsche-Bank-Chef Rolf Breuer habe im Februar 2002 mit einem Fernsehinterview, in dem er Kirchs Kreditwürdigkeit bezweifelte, den Druck auf Kirch erhöht - wohl, um einen lukrativen Auftrag bei der Sanierung des maroden Konzerns zu erhalten. Das habe Kirchs wirtschaftlichen Bewegungsraum im Kampf gegen die „bereits gegebene oder noch eintretende Insolvenz“ weiter eingeengt, so die Richter.

Kirch-Seite fordert 2 Milliarden

Wie hoch der Schaden war, versuchte das Gericht am Freitag zu klären. Dieter Hahn sagte als Zeuge, der Notverkauf des Fernsehsenders ProSiebenSat.1 für 1,3 Milliarden Euro an Walt Disney sei eine Woche vor der Insolvenz im April 2002 an dem „enormen Zeitdruck“ gescheitert. Der Insolvenzverwalter hatte ProSiebenSat.1 später für 500 Millionen Euro an den US-Investor Haim Saban verkauft.

Die Kirch-Seite fordert von der Deutschen Bank im laufenden Prozess 2,0 Milliarden Euro Schadenersatz wegen vorsätzlicher Schädigung und weitere 1,3 Milliarden Euro in einem noch anhängigen Verfahren über Kirchs Beteiligung am Axel-Springer-Verlag. Das Gericht hatte schon im März eine Zahlung von 775 Millionen Euro für sämtliche Forderungen als Vergleich vorgeschlagen - die Verhandlungen darüber verliefen aber erfolglos. Es wird damit gerechnet, dass die Richter dem neuen Deutsche-Bank-Chef Fitschen und dem Geschäftsführer der Kläger, Hans Erl, am 16. November ihre Meinung deutlich machen und erneut zu einem Vergleich auffordern werden.

 

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