Anna Schäffer macht Mindelstetten weltbekannt
Schon nach der Seligsprechung kamen die Pilgerströme - doch was nach der Heiligsprechung am Sonntag passieren wird, kann auch der Pfarrer nicht einschätzen.
Überreich geschmückt ist das Grab von Anna Schäffer. Fotos: Stöcker-Gietl
Mindelstetten. Die Sonne taucht den Altar in goldenes Licht. Es ist ein besonderes Licht. Ein Zufall zwar. Aber ein Zufall mit Symbolkraft. Am Sonntag wird Anna Schäffer aus Mindelstetten von Papst Benedikt XVI. heiliggesprochen. „Jesus Christus, die Sonne meines Lebens“ lautete das Lebensmotto der Dienstmagd, die nach einem Arbeitsunfall 25 Jahre bettlägrig war. Nun leuchtet ihr die Sonne in der Pfarrkirche St. Nikolaus, wo sie seit 1972 – als das Seligsprechungsverfahren eröffnet wurde – zur letzten Ruhe gebettet wurde.
840 Gläubige in der Pfarrei
In der kleinen Pfarrei Mindelstetten, die gerade mal 840 Katholiken zählt, ist es wenige Stunden vor dem großen Ereignis ruhig. In der Pfarrkirche sitzt ein halbes Dutzend Gläubige in stiller Andacht vor dem Marmorgrab, das überreich mit weißen Lilien und roten Rosen geschmückt ist. Das ist die Ruhe vor dem Sturm, glaubt Pfarrer Johann Bauer. Er kann nicht einschätzen, welchen Zulauf der Ort erleben wird, wenn der Papst die erste Heilige, die im Bistum Regensburg geboren wurde, hier gelebt hat und hier gestorben ist, zur weltweiten Anbetung empfiehlt. „Das müssen wir auf uns zukommen lassen.“ Die Infrastruktur wurde nach der Seligsprechung verbessert. Die Zufahrten sind ausgeschildert, im Pfarrbüro gibt es ein Klo und im Pilgersaal werden Besuchergruppen empfangen. Nur ein Pilgergasthaus hat der Ort nicht, was der Pfarrer bedauert. „Unsere Pizzeria ist gut, aber nicht das, was Wallfahrer wollen.“
Pfarrer Bauer ist seit 28 Jahren in Mindelstetten. Er hat den Selig- und Heiligsprechungsprozess von Anna Schäffer nahezu von Anfang an mitverfolgt. Auch die Wunder, die von Rom anerkannt wurden, sind über seinen Schreibtisch gegangen. „In beiden Fällen hatte ich sofort das Gefühl, das könnte etwas sein“, erinnert sich Bauer. Der Brief, der zur Seligsprechung führte, kam Mitte der 80er Jahre. Ein Mann aus Österreich schrieb, dass er sich bei einem Autounfall schwere Kopfverletzungen zugezogen hatte. Er wurde wieder gesund und führte diese für die Ärzte nicht erklärbare Genesung auf die Fürsprache von Anna Schäffer zurück. Das Wunder für die Heiligsprechung erreichte Bauer gleich nach der Seligsprechung, als ihm eine Frau aus Bayern schrieb, dass sie nach Gebeten zu Anna Schäffer von Bauchwassersucht geheilt wurde.

