Oberpfalz & Bayern 27.11.2012, 17:43 Uhr

Das Stonehenge der Oberpfalz

Seit Jahren erforscht der Lehrer Heinz Glashauser Granitblöcke. Schweinskopf und Riesentisch im Falkensteiner Vorwald waren einst religiöse Heilstätten.

Heinz Glashauser ist fasziniert von Granitblöcken wie dem Schweinskopf Foto: Gabi Schönberger

Heinz Glashauser ist fasziniert von Granitblöcken wie dem Schweinskopf Foto: Gabi Schönberger

Von Tanja Rexhepaj, MZ

Falkenstein. In acht Metern Höhe über dem mit Laub bedeckten Waldboden scheint man auf dem kugeligen Stein schlammverkrustete Platten zu entdecken – wie wenn sich ein Schwein gerade genüsslich im Dreck gewälzt hätte. Tatsächlich heißt der Kristallgranitblock, der hier unterhalb der Kirche von Marienstein liegt, Schweinskopf. Ein angelegtes Ohr ist zu erahnen, der Felsüberhang bildet den Schweinerüssel. Wieder und wieder schaut Heinz Glashauser an dem Stein empor. „Heute sieht man es besonders deutlich“, sagt er. „Ganz klar: ein Schwein.“ Dass ihn das frappiert, ist das eigentlich Überraschende, denn Heinz Glashauser hat schon unzählige Male hier gestanden, hat den Schweinskopf, den nur wenige Dutzend Meter höher gelegenen Riesentisch und zahllose andere Steinzeugen im Falkensteiner Vorwald nicht nur vor der Kameralinse gehabt, sondern akribisch erforscht.

Man fühlt sich wie im Museum

„Man geht durch einen Wald und denkt, man ist in einem Museum für moderne Kunst – so schemenhaft sind die Steine“, sagt Heinz Glashauser. Ein ganzes Regal in seinem Wohnzimmer ist mit selbst erstellten Fotobüchern bestückt: Darin dokumentiert er seit mehr als 20 Jahren die eigentümlichen Granitblöcke, die sich mal als Eule, mal als Hase oder Froschmaul entpuppen. Hier, bei Marienstein, sind der Schweinskopf und der Riesentisch Zeugnisse vorchristlicher Bräuche und lassen den Betrachter in eine Welt der Sagen abtauchen. Heinz Glashauser hat sämtliche Informationen zu jedem Stein sofort parat.

Einer Sage zufolge soll sich der Teufel über den Bau der Kirche auf dem Marienstein dermaßen erzürnt haben, dass er am Einweihungstag in Gestalt eines riesigen Schweines laut grunzend versuchte, die Gläubigen zu vertreiben. Die Gläubigen jedoch riefen Petrus um Hilfe an, welcher sogleich erschien und mit einem gewaltigen Schwerthieb das Schwein köpfte. Der Kopf erstarrte zu Stein und liegt seither unterhalb der Kirche. Geht man davon aus, dass die Kirche irgendwann im 15. Jahrhundert erbaut wurde, ist der Sagencharakter nicht von der Hand zu weisen: Die Granitblöcke stammen geologisch gesehen aus der spät-variszischen Zeit, sind also gut und gerne 400 Millionen Jahre alt. Schweinskopf und Riesentisch müssen also weitaus ältere Hintergründe haben.

 

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