Oberpfalz & Bayern 11.01.2012, 21:53 Uhr

Der Schlagfertige aus der linken Ecke

Bei seinem Auftritt in Nabburg rettet Gregor Gysi Renten, verwandelt Großbanken in Sparkassen und zelebriert seinen Spaß an der Verbalattacke.


        „Linke Opposition macht Sinn“: Gregor Gysi stimmte seine bayerischen Genossen auf Sacharbeit in den Parlamenten ein.Foto: Schönberger

„Linke Opposition macht Sinn“: Gregor Gysi stimmte seine bayerischen Genossen auf Sacharbeit in den Parlamenten ein.Foto: Schönberger

Von Reinhold Willfurth, MZ

NABBURG. Die Stimmung ist gedämpft, was weniger am gescheiterten Versuch liegt, die Nordgauhalle in Nabburg (Kreis Schwandorf) mit bunten Papierbahnen und Girlanden in eine Arena des Frohsinns zu verwandeln. Nach Fasching ist den meisten hier nicht zumute. Stattdessen erhoffen sie sich Antworten von dem zierlichen Herren mit der Nickelbrille. Antworten auf Fragen wie „Reicht meine Rente?“ oder „Bleibt mir mein Job?“ oder „Soll ich mit meinem bisschen Lohn auch noch Griechenland helfen?“ Wenn die Antworten dann von ein wenig Bambule begleitet werden, wie man das von einem Redner wie Gregor Gysi erwarten kann –umso besser.

Das Stimmungsbarometer bei den gut 150 Besuchern des „Jahresauftakts der Linken in Nordostbayern“ am Dienstagabend steigt, als sich Gysi hinter das Rednerpult schwingt und die eilfertig bereitgestellte Bierkiste als Untersatz ausschlägt („Man muss zu seiner Größe stehen“). Für seinen schnodderigen Berliner Witz ist Gysi bekannt, nicht nur unter den deutschen Talkshow-Gastgebern. Eine vorgeschaltete Podiumsdiskussion mit Abgeordneten und Stadträtinnen ist etwas zäh verlaufen, der Boden für den Star des Abends ist bereitet. Kreisvorsitzende Heidi Kaschner ist stolz darauf, den Fraktionschef der Linken in die Region gelotst zu haben.

Gysi ist kein begnadeter Redner wie Oskar Lafontaine, aber er würzt seinen mit Zahlen und Statistiken durchzogenen Vortrag immer wieder mit Anekdoten aus dem „wirklichen Leben“. Beifall heimst er immer dann ein, wenn er die Gefühle seiner Zuhörer weckt, wie etwa mit der Forderung, alle privaten Banken in öffentlich-rechtliche Institute wie „die Sparkassen, ARD und ZDF“ umzuwandeln und Instrumente wie Hedgefonds und Leerverkäufe zu verbieten. An der Hilfe für die europäischen Schuldnerstaaten führt für Gysi kein Weg vorbei. Diesen „Marshallplan“ solle man aber bitte unter Ausschaltung der Privatbanken in die Tat umsetzen, „damit wir unser Geld wiederkriegen“.

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