Oberpfalz & Bayern 19.08.2012, 22:11 Uhr

Eine Industrieruine wird zum Denkmal

Die 2002 stillgelegte Maxhütte ist baulich und technisch so bedeutsam, dass sie zumindest in großen Teilen für die Nachwelt erhalten werden soll.

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Ein Zeugnis Oberpfälzer Industriegeschichte: Das Stahlwerk Maxhütte mit dem markanten Hochofen im Vordergrund. Luftbilder: Winter (2), dpa

Ein Zeugnis Oberpfälzer Industriegeschichte: Das Stahlwerk Maxhütte mit dem markanten Hochofen im Vordergrund. Luftbilder: Winter (2), dpa

Von Fritz Winter, MZ

Sulzbach-Rosenberg. Die „Bayerische Eisenstraße“ von Pegnitz nach Regensburg führt in Sulzbach-Rosenberg (Kreis Amberg-Sulzbach) an einem gewaltigen Industriekomplex vorbei. Er wird geprägt von hohen Schornsteinen, einem imposanten Hochofen und riesigen Werkshallen – aber er macht einen heruntergekommenen, verlassenen, traurigen Eindruck. Die Maxhütte, benannt nach dem bayerischen König Maximilian II. Joseph, war das traditionsreichste und technisch führende Stahlwerk der Region, bis sie im Jahre 2002 nach langem Siechtum der Konkurs dahinraffte. Wo zu Blütezeiten 9000 Menschen einschließlich Außenstellen in Lohn und Brot standen, regiert heute der Rost. Aber es gibt einen Funken Hoffnung.

Das Ruhrgebiet des Mittelalters

Die Region um Amberg und Sulzbach galt als das „Ruhrgebiet des Mittelalters“. Seit 1285 ist der Erzabbau urkundlich nachgewiesen. Im Umfeld entstanden zahlreiche Floßöfen, wo das Roheisen ausgeschmolzen und in Hämmern weiterverarbeitet wurde. Die Geschichte der Maxhütte beginnt im Jahr 1851, als die belgische Firma T. Michiels, Goffard & Cie. beschloss, mit der Eisenbahnschienenfabrik in Haidhof (Kreis Schwandorf) ein Schienenwalzwerk zu bauen. Bereits 1864 wurde der erste Kokshochofen in Rosenberg angeblasen, der in direkter Nähe zu den angekauften Erzgruben Annaschacht und Grube Eichelberg lag. Später wurden in der Gegend von Auerbach die Erzgruben Maffei und Leonie erworben.

1929 erwarb der deutsche Industrielle Friedrich Flick die Aktien der Maxhütte. Nach dem Zweiten Weltkrieg gab es mehrere Eigentümerwechsel: Zunächst übernahm der Freistaat Bayern 26 Prozent der Geschäftsanteile, ab 1955 gehörte die Maxhütte wieder vollständig zur Flick-Gruppe. In den 70er Jahren stiegen die Klöckner-Werke aus Duisburg ein, was bedeutende Neuentwicklungen wie das Klöckner-Maxhütte-Stahlherstellungsverfahren mit sich brachte. Im April 1987 kam es zum ersten Konkurs der Maxhütte, die letzte deutsche Eisenerzgrube Leonie wurde geschlossen. Die Neue Maxhütte Stahlwerke GmbH und das Rohrwerk Neue Maxhütte setzten den Betrieb fort bis zum zweiten Konkurs 1998. Gesellschafter waren Thyssen, Krupp, Klöckner, Mannesmann und der Freistaat Bayern. 1993 übernahm der Freilassinger Bauunternehmer Max Aicher die Anteile – ohne Erfolg: Der letzte Hochofenabstich war am 23. September 2002. Der Verlust von Tausenden von Arbeitsplätzen bedeutete zunächst eine strukturpolitische Katastrophe für die Region Sulzbach-Rosenberg.

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