Eine sagenumwobene Festung
Die Burg Lengenfeld ist die größte erhaltene Burg der Oberpfalz. Der Kastellan Franz Joseph Vohburger führt durch die heute als Heim genutzte Anlage.
Burglengenfeld. Im historischen Kostüm ist er heute nicht erschienen. Doch auch mit seinem Janker und dem Filzhut mit Kordel nimmt man Franz Joseph Vohburger den mittelalterlichen Kastellan, den Burgverwalter, ab: ein Verwalter von Wissen über alles, was mit der Festung hoch über der Stadt Burglengenfeld zu tun hat. Wenn der 70-Jährige ins Erzählen kommt, wird die Welt der einstigen Kaiser- und Herzogsburg Lengenfeld, der größten Burganlage der Oberpfalz, wieder lebendig.
Einst im Besitz der Wittelsbacher
„Und wenn des mitternachts die Nebelschwaden von der Naab auf den Burgberg heraufsteigen, dann hört man den Geist des Sinzenhofers immer noch seufzen und klagen“, gibt er im so genannten Finsterturm stehend die Sage um Hans von Sinzenhofen wieder, der in dem fensterlosen Gefängnisturm mit dreieinhalb Meter dicken Mauern wegen seiner Liebe zu einer Nonne sein Leben ausgehaucht haben soll. Sagenumwoben ist die Burg Lengenfeld; belegt über ihre Entstehung und Geschichte ist Folgendes: im 11./12. Jahrhundert war die Burg im Besitz der Grafen von Lengenfeld, Waldeck und Pettendorf und ging von diesen durch Erbschaft in den Besitz der Wittelsbacher über.
Damals bestand lediglich die innere Burg mit der Burgkapelle, den im so genannten Palas untergebrachten Wohnräumen, inklusive Rittersaal, dem Zehentkasten, in dem Waffen und Getreide gelagert wurden, und zwei mächtigen Türmen: dem Pulverturm und dem bereits erwähnten Finsterturm. Dieser ist zugleich das wohl älteste profane Baudenkmal der ganzen Gegend.
Beim Rundgang durch die Burganlage wird Franz Joseph Vohburger immer wieder von jungen Leuten gegrüßt: Heute leben in den Mauern der Burg an die 100 behinderte junge Menschen, die hier im heilpädagogischen Institut des privaten Sozialwerks Heuser ein Zuhause gefunden haben. Im Jahr 1967 kaufte das Ehepaar Heuser die Burg für 250000 Mark, nachdem zuvor ein Investor das von ihm eingerichtete Hotel, in dessen Glanzzeiten sogar Caterina Valente hier auftrat, nicht mehr hatte bewirtschaften können. Vor dieser Episode war die Anlage im Besitz des Bezirks Oberpfalz gewesen, der hier nach dem Zweiten Weltkrieg ein Ausweichquartier für die Regensburger Pflegeanstalt Karthaus-Prüll untergebracht hatte. Seit der Umwidmung zum heilpädagogischen Institut entstanden auf dem 2,4 Hektar großen Areal der Burg eine große Gärtnerei mit einem Kräutergarten nach Hildegard von Bingen sowie Werkstätten für Schreiner und Maler.






