Oberpfalz & Bayern 01.04.2010, 19:39 Uhr

Fall Lea: Jugendamt räumt Fehler ein

Nach dem Hungertod der kleinen Lea räumt das Jugendamt in Tirschenreuth Fehler ein – personelle Konsequenzen nicht ausgeschlossen.

Ein Plakat mit einem Foto von Lea ist am Donnerstag (01.04.2010) in Tirschenreuth (Oberpfalz) am Hoftor des Hauses angebracht, in dem am Samstag das zweijährige Mädchen tot in seinem Kinderbett gefunden worden war. Eine Obduktion ergab: Die Kleine war verhungert und verdurstet. Das Amtsgericht Regensburg hat Haftbefehl gegen die 21 Jahre alte Mutter erlassen. Foto: Armin Weigel dpa/lby +++(c) dpa - Bildfunk+++

Ein Plakat mit einem Foto von Lea ist am Donnerstag (01.04.2010) in Tirschenreuth (Oberpfalz) am Hoftor des Hauses angebracht, in dem am Samstag das zweijährige Mädchen tot in seinem Kinderbett gefunden worden war. Eine Obduktion ergab: Die Kleine war verhungert und verdurstet. Das Amtsgericht Regensburg hat Haftbefehl gegen die 21 Jahre alte Mutter erlassen. Foto: Armin Weigel dpa/lby +++(c) dpa - Bildfunk+++

Tirschenreuth. Wenige Tage nach dem Hungertod der zweijährigen Lea in Tirschenreuth räumt das Jugendamt Versäumnisse ein. Der Landrat schließt disziplinarische Maßnahmen nicht aus und will dem Fehlverhalten nachgehen. Es werde nichts beschönigt, sagte Wolfgang Lippert (FW) bei einer einberufenen Pressekonferenz. „So etwas darf nicht mehr passieren“, sagte der Landrat.

Unter einem riesigen Medienaufgebot aus ganz Deutschland räumten er und der Leiter des Jugendamtes, Albert Müller, Versäumnisse ein. Besonders prekär: Ein führender Lokalpolitiker und Jugendamtsmitarbeiter wohnt nur etwa 200 Meter entfernt von Leas Familie. Bei ihm war vor einem halben Jahr auch der Anruf einer besorgten Nachbarin eingegangen, die erklärte, die Kinder schon länger nicht mehr im Garten gesehen zu haben. Sie sehe sie nur noch weinend und winkend hinter einem verschlossenen Fenster.

Die allein erziehende Mutter war mit der Versorgung der beiden Kinder offenbar heillos überfordert. Polizeibeamte, die in der Wohnung waren, berichteten, dass diese extrem vermüllt sei. Die Mutter sitzt in Untersuchungshaft.

Warum nun das Jugendamt nicht handelte, und auch nach dem Anruf der Nachbarin keinen Hausbesuch veranlasste, um diese Fragen ging es hauptsächlich bei der Pressekonferenz. Der Landrat, der seinen Urlaub abgebrochen hatte, bedauerte, dass man die Situation nicht als Gefährdung der beiden zwei und vier Jahre alten Kinder eingeschätzt habe. Warum auch später kein Hausbesuch folgte, blieb offen. Deswegen schließt Lippert auch personelle Konsequenzen im Jugendamt nicht aus.

Der Leiter des Jugendamts bestätigte, dass der Anruf der Nachbarin als Aktennotiz vermerkt worden sei. Dass man ausgerechnet bei diesem Fall nicht reagiert habe, bleibe Fakt. Die Familie sei nicht aufgefallen. Die damals 17-jährige Mutter wurde einmal vor der Geburt ihres ersten Kindes beraten. Ein zweites Gespräch wegen Unterhaltsfragen folgte.

Ob ein Kontrollbesuch des Jugendamtes das Schicksal der Kleinen hätte verhindern können, wollten die Behördenvertreter nicht beantworten. Sie beriefen sich auf den Vater der Kinder. Müller: „Er hatte alle zwei Wochen mit den Kindern Kontakt. Ihm ist nichts aufgefallen.“ Nun kümmert er sich um den vierjährigen Sohn.

 

Umfrage - Ergebnis

 
 
 
 
Montag 5. April 2010
Haubensak Logo

Wetter

Wolke
20°

» Lokalwetter