Oberpfalz & Bayern 13.07.2012, 20:42 Uhr

Fotos enthüllen Nazi-Mord in der Oberpfalz

Die SS ließ bei Michelsneukirchen einen Zwangsarbeiter hängen. Gut 70 Jahre später deckt jetzt eine mühevolle Recherche die Hintergründe auf.

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Ein SS-Offizier fotografierte Julian Majkas Hinrichtung. Der Vergleich der Bäume zeigt: Die Fotos stammen von der gleichen Stelle.

Ein SS-Offizier fotografierte Julian Majkas Hinrichtung. Der Vergleich der Bäume zeigt: Die Fotos stammen von der gleichen Stelle.

Von Florian Sendtner, MZ

Michelsneukirchen. Ein altes Schwarz-Weiß-Foto. Fast jeder würde es wohl wegschmeißen. Es ist nichts darauf zu sehen, zumindest nichts, worin man irgendeine Bedeutung erkennen könnte. Der unbekannte Fotograf ist offenbar auf einer Wiese gestanden und hat die Kamera auf den Waldrand gehalten. Man sieht nichts als Bäume, im Vordergrund links eine Birke mit einem leicht krumm gewachsenen Stamm, rechts eine Kiefer.

Gottseidank hat es niemand weggeschmissen, dieses Foto. Es ist das gespenstischste Foto einer Serie von mehreren Fotos, gespenstisch gerade deshalb, weil auf ihm all das schreckliche nicht zu sehen ist, was auf den fünf anderen zu sehen ist. Nach über 70 Jahren hat der Regensburger BR-Reporter Thomas Muggenthaler mit Hilfe dieses unscheinbaren Fotos einen Mord aufgeklärt, einen staatlichen Mord, eine Hinrichtung. Zwischen der Birke mit dem leicht verwachsenen Stamm und der Kiefer war am 18. April 1941 eine Holzstange als „Querbalken“ befestigt, an dem hat eine Rotte von Staatsbediensteten den jungen Polen Julian Majka aufgehängt. Sein Verbrechen: Liebe. Er hatte ein Verhältnis mit einem Mädchen, sie wurde schwanger, das befanden gewisse Herren für todeswürdig.

Das Grauen als Souvenir

Seit 2007 ist in der neugestalteten Dauerausstellung der KZ-Gedenkstätte Flossenbürg eine Serie von fünf Fotos zu sehen, die Charlie Hollenbeck, GI der 90. US-Infanteriedivision, bei der Befreiung des KZ Flossenbürg in der SS-Kommandantur erbeutet und als Souvenir mitgenommen hat. Jahrzehnte später fanden die Fotos den Weg zurück nach Flossenbürg. Auf ihnen ist die Hinrichtung eines jungen Mannes in einem Wald zu sehen.

Charlie Hollenbeck hatte die grausigen Bilder in sein Fotoalbum geklebt, um den Terror zu dokumentieren, von dem er und seine Kameraden die Welt befreiten. Er schrieb darunter: „Ein normales Ereignis im Konzentrationslager Flossenbürg im Zweiten Weltkrieg. Dieses Lager wurde am 23. April 1945 von der 90. Division befreit.“

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