Oberpfalz & Bayern 06.05.2010, 20:07 Uhr

Geplantes Rodeo erzürnt Tierschützer

Tierquälerei oder traditionsreicher Nationalsport? Vor dem deutsch-amerikanischen Volksfest in Vilseck gibt es Zwist.

Acht Sekunden lang muss sich der Cowboy in möglichst eleganten Posen auf dem „Wildpferd“ halten.

Acht Sekunden lang muss sich der Cowboy in möglichst eleganten Posen auf dem „Wildpferd“ halten.

Von Reinholdl Willfurth, MZ

vilseck. Zwischen dem traditionellen hawaiianischen Fest „Luau“ inklusive „diversen asiatisch-pazifischen Tanzaufführungen“ und dem Live-Auftritt der Partyband „Rotzlöffl“ wird die Luft schwer testosteronhaltig: Männer auf bockenden Pferden sollen beim „American Rodeo“ im Rahmen des Deutsch-Amerikanischen Volksfests vom 13.bis 16. Mai in Vilseck (Lkr. Amberg-Sulzbach) eine Ahnung von Freiheit und Abenteuer verbreiten. Mit dem Auftritt der „echten Cowboys“ (Eigenwerbung) in der Oberpfalz haben sich die Veranstalter jetzt aber den Vorwurf eingehandelt, „Volksbelustigung auf Kosten von Pferden und Rindern“ zu betreiben.

Tierschutzbund ruft zu Boykott auf

Der Präsident des Deutschen Tierschutzbundes verhängte den Bann über die Tiershow als Teil eines Festes, das eigentlich der Völkerverständigung dienen soll. „Es ist eine Schande, dass einem solchen Spektakel in Vilseck die Bühne geboten wird“, wetterte Wolfgang Apel und rief zu einem Boykott des Spektakels auf.

Daniel König, Vorsitzender des Festveranstalters, des deutsch-amerikanischen Vereins „Outreach-Kontakt“, versteht die Aufregung nicht. „Bei den Amerikanern ist das Rodeo so gut wie eine kulturelle Veranstaltung“, sagt König im MZ-Gespräch. Überdies passe Rodeo gut in den Rahmen des deutsch-amerikanischen Volksfestes. Der Verein verlasse sich darauf, dass „nichts Unrechtes“ passiere. Das Rodeo werde von einem Externen betrieben, sei also eine in das Fest „eingebettete Veranstaltung“. Überdies, so König: „Von den Tierschützern hat sich keiner bei uns gemeldet“.

Rodeo-Veranstalter Dieter Brand aus Darmstadt ist Kummer mit Tierschützern gewöhnt. Auf seiner Homepage findet sich sogar eine Extra-Rubrik „Unseriöser Tierschutz“. Brand zählt im Gespräch mit der MZ auf, wie schonend die Tiere bei seiner Art Rodeo behandelt würden: „Ohne Zügel, ohne Gebiss im Maul, keine Sporen, was will man mehr?“ Beim „Wildpferdreiten“ gehe es so: „Sattel drauf — sonst nichts. Das Pferd buckelt den Reiter runter, geht in den Stall zurück und frisst gleich wieder“ — für Brand ein sicheres Zeichen dafür, dass es dem Tier gut gehe. Außerdem achteten gleich zwei Tierärzte darauf, dass keine Tiere, wie von den Tierschützern behauptet, gequält würden.

 

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