Begrüßt die Vielfalt der Glaubenswege: Alois Glück. Foto: altrofoto.de
Regensburg. Knapp zwei Jahren vor dem #Katholikentag 2014 in #Regensburg werden wichtige Weichen gestellt. In Regensburg formierte sich am Donnerstag das Organisationskomitee. Und Alois Glück, Präsident des Zentralkomitees der #Katholiken, traf auf einen unerwarteten Gesprächspartner: Gerhard Ludwig Müller ist inzwischen Erzbischof in Rom und Präfekt der Glaubenskongregation. „Übergangsbischof“ Wilhelm Gegenfurtner führt jetzt die Geschäfte – und hat auch bei der Vorbereitung des Großereignisses mit bis zu 80.000 Besuchern ein Wörtchen mitzureden.
Herr Glück, macht die Sedisvakanz bis zur Ernennung eines neuen Oberhirten die Vorbereitungen schwieriger?
Nein. Das ändert grundsätzlich nichts. Die Diözesanleitung hat ausdrücklich erklärt, dass das Projekt Katholikentag 2014 vom Wechsel unberührt ist.
Sie verhandeln jetzt fürs Erste mit dem Wilhelm Gegenfurtner, danach mit dem neuen Bischof. Macht das nicht gerade heikle Absprachen – etwa zur Beteiligung von Donum Vitae – komplizierter?
Ich denke nicht. Die Diözesanleitung ist weiter voll handlungsfähig. Bei einem Vorgespräch mit Gerhard Ludwig Müller im vergangenen Oktober gab es Einvernehmen darüber: Der Katholikentag ist ein Ort des offenen und respektvollen Gesprächs und der Diskussion. Ich hoffe, dass uns das in Regensburg ähnlich gut gelingt, wie vor vier Wochen beim Katholikentag in Mannheim. Dort ist kein Thema tabuisiert worden. Alle Fragen, die die Gläubigen beschäftigen, müssen ihren Platz haben. Es ist eine große Bereicherung, die Vielfalt kirchlichen Leben, der Frömmigkeit und der Glaubenswege zu erleben. Das hat eine integrierende Wirkung für unsere Kirche. Wir können selbstbewusst genug sein, nicht irgendwelche Themen von vornherein auszugrenzen.
Das gilt auch für Personen, die Teile der Kirche kritisch sehen: Professorin Sabine Demel, die frühere Bundestagsabgeordnete Maria Eichhorn oder den früheren Diözesanratsvorsitzenden Fritz Wallner?
Wir haben im Vorfeld besprochen, das Personen aus diesem Spektrum beim Katholikentag mitwirken.
Was sind die Grundregeln?
Klar ist: Der Katholikentag ist keine Veranstaltung, die primär auf Kritik ausgerichtet ist. Entscheidend ist eine faire Auswahl der Gesprächspartner auf den Podien. Erzbischof Müller hat großen Wert darauf gelegt, dass bei bestimmten Fragestellung wie etwa nach dem Diakonat der Frau die Position des Lehramtes entsprechend vertreten sein muss. Das ist auch im Interesse des Zentralkomitees. Wir verstehen uns nicht als Oppositionsgruppe innerhalb der Kirche.
Was sind für Sie die derzeit drängendsten Fragen?
Wie gelingt es, den Menschen unserer Zeit die Botschaft des Evangeliums zu vermitteln? Warum erreichen wir immer weniger Menschen und welche Konsequenzen ziehen wir daraus? Was an unseren Strukturen, unserer Sprache und unserem Verhalten erschwert Menschen den Zugang? Und mich interessiert auch: Sind wir – so wie wir uns zeigen – glaubwürdige Botschafter?
Erfüllen die Katholiken diesen Anspruch?
Es gelingt uns nur in Grenzen. Wir müssen ehrlich zur Fehlerhaftigkeit in der Kirche stehen. Wir dürfen uns aber auch nicht selbst darauf begrenzen. Deshalb habe ich beim Abschluss des Katholikentages 2012 sehr bewusst gesagt: Die Kirche ist mehr als die Summe ihrer Defizite. Es geschieht auch viel Großartiges.
Welche Themen werden in Regensburg im Fokus stehen?
Wir sind noch in der Phase des Tastens. Es gibt regionale Bezüge, die sich anbieten: Die Nachbarschaft zu Tschechien – und die dortige Situation der Kirche in einer völlig säkularisierten Gesellschaft. Die Kontakte des Bistum Regensburgs zu den Ostkirchen und in den Donauraum. Die Frage der sozialen Gerechtigkeit in der Welt haben wegen der engen Verbindungen von Erzbischof Müller zur Befreiungstheologie in Südamerika besondere Bedeutung. Das Thema hat sich durch seinen Weggang nicht erledigt.
Was ist Ziel der Katholikentage?
Die Menschen sollen ermutigt weggehen. Bei allen Schwierigkeiten in Kirche und Gesellschaft soll niemand resignieren, sondern sich engagieren und Kirche aktiv gestalten.
Es war beim Katholikentag in Mannheim auch die Zerrissenheit zwischen Reformkräften und Konservativen zu spüren. Wie lässt sich diese Kluft überwinden?
Wir erleben gegenwärtig, dass bei schmerzlichen Themen wie der Situation wiederverheirateter Geschiedener eine offene, konstruktive Beratung begonnen hat. Das Thema wird nicht mehr tabuisiert. An vielen Orten und in vielen Diözesen wird auch offener über Sexualethik geredet. Das ist die e Grundvoraussetzung, damit Prozesse in Gang kommen. Gegenbeispiel ist die Kirche in Österreich. Dort wird nur noch polarisiert. Dort wären viele Gläubige sehr froh, wenn es ein Forum wie den Katholikentag gäbe, auf dem das gute Miteinander erlebt wird.
Eine letzte Glaubensfrage zum neuen Glaubenshüter im Vatikan: Erzbischof Müller hat bei der Rückkehr der #Piusbrüder in den Schoß der Kirche ein Wort mitzusprechen. Was erwarten Sie sich?
Ich bin mir sicher, dass Erzbischof Müller zu den Piusbrüdern dieselbe Position einnimmt, die er schon als Bischof von Regensburg immer deutlich formuliert hat. Die Anerkennung des Ergebnisse des Zweiten Vatikanischen Konzils sind für ihn der Maßstab. In der gegenwärtigen Abschlussphase der Verhandlungen mit den Piusbrüdern ist es sehr wertvoll, dass diese Haltung mit ihm in Rom an wichtiger Stelle entsprechend präsent ist.