Gräben ziehen, um Brücken zu bauen
Der Regensburger Benno Lechner half in Haiti, seuchengefährdete Notlager trockenzulegen. Tief beeindruckt hat ihn das Durchhaltevermögen der Opfer.
regensburg.
Gleich bei der Ankunft nach zwölfstündigem Flug bekam Benno Lechner eine Ahnung, was ihn in Haiti erwarten würde: Die Ankunftshalle war eine notdürftig umgebaute Lagerhalle, es war drückend heiß und „es schüttete wie aus Kübeln“.
Sechs Monate danach sieht es auf Haiti fast noch genauso aus wie kurz nach dem Erdbeben in der Hauptstadt Port-au-Prince mit 250000 Toten und 100000 Verletzten. Etwa eine Million Menschen hausen in rund 1200 Notlagern. Und dort lauert eine tückische Gefahr: Bei tropischen Temperaturen entwickelt sich stehendes Wasser zu einem Tummelplatz für die Erreger von Seuchen wie Malaria, Cholera und Typhus. Die bevorstehende Hurrican-Saison lässt solche lebensgefährlichen Pfützen, die die Notlager auch noch in unzugängliche Schlammwüsten verwandeln, überall erwarten – wenn man nichts dagegen unternimmt.
Der Anruf in der Mittagszeit des 23. Juli kam völlig überraschend. „Dietmar Bleisteiner aus Nabburg fragte mich, ob ich nicht Lust hätte, zwei, drei Wochen nach Haiti zu fahren“, erzählt Benno Lechner beiläufig im MZ-Gespräch. „Nach einem Tag Bedenkzeit wusste ich: Ich mach’s“. Schnell noch die nötigen Impfungen und eine Unterweisung in Nabburg absolviert, und vier Tage später saß der Regensburger Maschinenbau-Student und Mitarbeiter des Technischen Hilfswerks (THW) in einem Flugzeug der Air France in Richtung Karibik. Via Paris und der französischen Karibikinsel Guadeloupe erreichte er seinen Einsatzort.
Besondere Ehre für Ehrenamtliche
Seine Aufgabe: Zusammen mit einem haitianischen Ingenieur Arbeiter anzulernen, wie man Drainagen zieht, um die Notlager vor den fatalen Überschwemmungen zu bewahren. „Die Leute schlafen auf dem Boden. Wasser in den Zelten wäre eine Katastrophe“, erläutert der angehende Ingenieur von der Fachhochschule Regensburg, der seit seinem 13. Lebensjahr begeistert im Regensburger Ortsverband des THW mitarbeitet. „Etwas Gutes tun und Spaß dabei haben“ ist seine Devise für die engagierte ehrenamtliche Arbeit, deren Lohn jetzt der Einsatz in Haiti war. Zu einem der begehrten Auslandseinsätzen gerufen zu werden, gilt bei den THW-lern als besondere Ehre.



