Oberpfalz & Bayern 01.07.2012, 19:52 Uhr

Harmonie zwischen Technik und Natur

Die Mittelbayerische Zeitung stellt regelmäßig herausragende Bauwerke aus der Region vor. Heute geht es um die Kraftwerksgruppe Pfreimd.

Harmonisch eingebettet: das Kraftwerk Reisach (unten) und der Pumpspeicher Rabenleite Foto: Fritz Winter

Harmonisch eingebettet: das Kraftwerk Reisach (unten) und der Pumpspeicher Rabenleite Foto: Fritz Winter

Von Reinhold Willfurth, MZ

Trausnitz . In einem Flusstal zwischen Tännesberg (Lkr. Neustadt/Waldnaab) und Pfreimd (Lkr. Schwandorf) steht der Traum aller Energiepolitiker: ein Kraftwerk, das zu 100 Prozent grünen Strom erzeugt und das in der Lage ist, überschüssige Energie zu speichern und sie dann abzugeben, wenn sie gebraucht wird. Und das sich so elegant in die Natur einfügt, dass viele behaupten, es bereichere die Landschaft. Gebaut wurde an der Kraftwerksgruppe Pfreimd in den fünziger Jahren, als man beim Wort „Energiewende“, hätte es damals schon existiert, eher an eine vielversprechende neue Art der Stromgewinnung gedacht hätte: Atomkraft hieß das Zauberwort damals. Heute aber ist ausgerechnet das ausgeklügelte System aus Wasserkraftwerken am Flüsschen Pfreimd und dem darüber gelegenen Pumpspeichersee Rabenleite eines der Modelle, wie man künftig ohne die unheimlich gewordene Atomkraft auskommen könnte.

Als Sebastian Sachsenhauser vor 62 Jahren in die Gegend um Trausnitz kam, sah es hier nicht nach einer Modellregion für die Energiewende aus, sondern schlicht „hinterwäldlerisch“. So beschreibt der heute 85-jährige gebürtige Oberbayer die Atmosphäre damals, als er als junger Bauschlosser auf die Mammutbaustelle der „Kraftwerksgruppe Jansen“ geschickt wurde. Als Baggerführer musste Sachsenhauser am Steuer eines riesigen Seilzugbaggers die Staudämme für die geplanten Kraftwerke ausheben. „Die Leute haben die Händ’ über den Kopf zusammengeschlagen, wie wir mit unseren Maschinen angerückt sind“, sagt Sachsenhauser im Gespräch mit der MZ. Wie viele seiner bis zu 800 Kollegen auf der Riesenbaustelle fand auch er sein privates Glück im Oberpfälzer Wald. Er heiratete eine Trausnitzerin und verbringt heute seinen Lebensabend in der 1000-Seelen-Gemeinde.

Arbeit für das ganze Dorf

Das Großprojekt der Ostbayerischen Energieversorgung AG (Obag) brachte bescheidenen Wohlstand in diesen abgelegenen und idyllischen Winkel des Oberpfälzer Walds. „Das ganze Dorf hat Arbeit bekommen“, berichtet Sebastian Sachsenhauser. „Jeder war mit Jedem gut Freund“. Sachsenhauser zieht Schwarzweiß-Bilder aus einer abgegriffenen Brieftasche aus Leder heraus. Sie zeigen zufriedene Gesichter auf der Baustelle und Glücksmomente beim Baden in der Pfreimd nach Feierabend. Die Abgeschiedenheit der Baustelle und die bisweilen gefährliche Arbeit in den Zwölf-Stunden-Schichten schweißte die Leute zusammen. Nicht für alle gingen die Jahre in Trausnitz glücklich aus: Schwerverletzte gab es immer wieder. Der heutige Bürgermeister Hubert Pröls erlebte als Bub, wie einem „Schmierer“, einem Bagger-Assistenten also, ein Bein abgedrückt wurde. In der Barbarakapelle auf dem Trausnitzer Friedhof erinnert eine Gedenktafel an die sechs Männer, die auf der Baustelle ihr Leben ließen.

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