Heimatpfleger sammelt Wirtshauslieder
„Da möchte einem die Schamröte ins Gesicht steigen...“ – Adolf J. Eichenseer hat ein Buch veröffentlicht – mit gschaamigen und ausgschaamten Texten.
Adolf Eichenseer zeigt sein Buch „Heit san ma wieder kreizfidel“. Foto: hs
Regensburg. Er hat wieder zugeschlagen: Dr. Adolf J. Eichenseer, der frühere Bezirksheimatpfleger. „Heit san ma wieder kreizfidel“ heißt sein neuestes Werk, ein Buch mit 172 bairischen Wirtshausliadern und Trinksprüch’. Und da möchte einem „bei so manchen Texten die Schamröte ins Gesicht steigen“, schreibt Dr. Elmar Walter, der Leiter der Abteilung Volksmusik beim Bayerischen Landesverein für Heimatpflege, in seinem Geleitwort. Doch gleichzeitig räumt er ein, dass das Liederbuch genau das geworden ist, was es sein soll: ein Abbild dessen, was gesungene Praxis ist. Gerade weil manches darin so derb und ordinär, manches hingegen wieder so liebenswürdig und romantisch ist.
Zugegeben: Nicht alles in dem Buch ist für zarte Gemüter geeignet. Manche Lieder sind – nach heutigem Geschmack – frauenfeindlich. Und das kommt daher, weil sie einst in den Wirtshäusern gesungen wurden, die männliches Hoheitsgebiet waren. Da konnte man stark sein, munter grölen und sich auf die Schenkel klopfen, ehe man dann mit dickem Suffschädel wieder kleinlaut heimkehrte zur „Oidn“, wo man(n) dann eh nimmer viel zu melden hatte.
Die schöpferische Kraft des Volkes
„Viele dieser Wirtshauslieder eignen sich natürlich weder für Kinder noch für überempfindliche, puritanisch denkende Volkstumspfleger oder für die breite Öffentlichkeit“, sagt Eichenseer. „Vielmehr gehören sie in ein bestimmtes Milieu und sind nur für bestimmte Gelegenheiten geeignet.“ Doch diese breitgefächerte Palette zünftiger bairischer Lieder umfasst sowohl ein tradiertes wie auch durch die Pflege wieder eingeführtes und teilweise ganz neu entstandenes Volksgut.
So stehen da neben den „echten“ alten Volksliedern auch unzählige bekannte oder spontan erfundene Schnaderhüpferl, meist lustige Vierzeiler, Parodien, Unsinnstexte, Trink- und Tanzlieder, Liebeslieder, lokale Heimatlieder wie auch weit verbreitete Soldaten- und Küchenlieder, zurechtgemachte Melodien und Texte aus Oper und Operette, populäre Couplets der Münchner und Wiener Volkssänger, Berliner Gassenhauer und – sogar abgeänderte Schlager jüngeren Datums.

