Oberpfalz & Bayern 27.12.2010, 19:38 Uhr

Internet-Friedhof: 19 Euro für die Ewigkeit

Auf dem Erinnerungs-Portal „Emorial“ kann man Menschen gedenken – wer möchte, sogar für immer und ewig.

Anton Stuckenberger (links) und Martin Kunz in ihrem Kellerbüro in Feldmoching Foto: Meyer-Tien

Anton Stuckenberger (links) und Martin Kunz in ihrem Kellerbüro in Feldmoching Foto: Meyer-Tien

Von Katia Meyer-Tien, MZ

München. Wer einen der jüngsten Friedhöfe Münchens besuchen möchte, der muss in den Keller. In den Keller eines unscheinbaren Wohnhauses im Stadtteil Feldmoching, fast neben der Feuerwehr, unweit der Dorfkirche. Ein gelbes Schild am Eingang weist dem Besucher den Weg: Emorial steht in Schwarz darauf geschrieben, eine weiße Unendlichkeitsschleife ziert den Hintergrund. „Bei uns ist alles etwas anders“, sagt Martin Kunz lächelnd, „und auch nicht so traurig.“

Treffpunkt für Freunde

Emorial.de, das ist der angeblich größte Internetfriedhof Deutschlands. Den haben der Journalist Martin Kunz und sein Sandkastenfreund, der Softwareentwickler Anton Stuckenberger, im April 2008 gegründet. Anlässlich eines runden Abiturtreffens suchten sie im Internet nach einem Ort, an dem sie eines verstorbenen Mitschülers gedenken könnten – und fanden nichts, was ihnen zusagte. So kam die Idee: Ein würdiges Trauerportal zu schaffen, das Freunden und Angehörigen die Möglichkeit gibt, einem Verstorbenen im Internet ein Denkmal zu setzen.

Von der Idee zur fertigen Seite verging eine ganze Weile. Kunz und Stuckenberger ließen eine Marktanalyse erstellen, suchten Entwickler und Grafiker, bastelten am Layout. „Allein den richtigen Gelbton für den Hintergrund zu finden, hat eine Ewigkeit gedauert“, erinnert sich Stuckenberger. Seriös sollte die Seite sein, sich abheben von den Angeboten im Netz, auf denen es blinkt und funkelt. Von Seiten, auf denen es schon einmal vorkommt, dass direkt neben der Todesanzeige Werbung für eine Partnervermittlung gemacht wird.

Das Geschäft mit dem Tod im Netz ist eine Gratwanderung. Denn auch Kunz und Stuckenberger wollen natürlich Geld verdienen mit der Seite, in die sie „einen beträchtlichen Teil der Altersvorsorge“ investiert haben.

 

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