Oberpfalz & Bayern 29.12.2011, 16:30 Uhr

Landsberger Kämmerer verzockt Millionen

Mit riskanten Finanzgeschäften hat die Stadt Landsberg mehr als zwei Millionen Euro verloren. Den Schaden tragen die Steuerzahler.


        Der Landsberger Kämmerer hat sich an der Börse verspekuliert.

Der Landsberger Kämmerer hat sich an der Börse verspekuliert.

Landsberg. Die oberbayerische Stadt Landsberg hat sich mit hochspekulativen Finanzgeschäften verzockt und den Steuerzahlern damit einen Schaden von mehr als zwei Millionen Euro eingebrockt. Wie die Stadt am Donnerstag mitteilte, gab es seit dem Frühjahr Hinweise darauf, dass die Kämmerei der Stadt riskante Zinsgeschäfte abgeschlossen und damit gegen das Kommunalrecht verstoßen hat. Eine Wirtschaftskanzlei habe den Fall überprüft und nun einen Bericht vorgelegt, den Oberbürgermeister Ingo Lehmann (SPD) am Mittwochabend dem Stadtrat präsentierte. Zugleich wurde auch die Öffentlichkeit über das Debakel informiert.

Weitere finanzielle Verluste möglich

Der finanzielle Schaden für die Stadt könnte in den kommenden Jahren noch größer werden. „Da ein Teil der Zinstauschgeschäfte noch bis ins Jahr 2034 läuft, sind weitere finanzielle Verluste möglich“, erklärte die Stadt in einer Pressekonferenz.

Lehmann hält ein Disziplinarverfahren gegen den für die Finanzgeschäfte der Stadt zuständigen Kämmerer für unvermeidlich. Auch der Kämmerer selbst habe darum gebeten. „Ich will, dass der gesamte Vorgang lückenlos aufgeklärt wird, alle Fakten müssen auf den Tisch“, erklärte Lehmann. Er kündigte an, sich mit aller Kraft für eine Verminderung des Schadens einzusetzen. „Ich stehe zu meiner politischen Verantwortung für alle Vorgänge innerhalb der Verwaltung.“

Um ihre Haushaltslage zu verbessern, hatten sich Anfang des Jahrtausends zahlreiche Kommunen zu neuen Finanzanlagen entschlossen, damit aber viel Geld verloren. Beliebt waren vor allem riskante Zinswetten. Die Erwartung bei diesen Swaps (englisch: „tauschen“) war, dass die langfristigen Zinsen stärker steigen als die kurzfristigen, damit entsprechen sie Wetten auf die Zinsentwicklung. Allein die Stadt Pforzheim verlor mit derart spekulativen Finanzgeschäften 57 Millionen Euro und bemühte sich um einen Vergleich mit der Deutschen Bank.

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