Oberpfalz & Bayern 09.09.2012, 19:11 Uhr

Kenner schnuppern am Zinndeckel

Menschen, die Bierkrüge sammeln und lieben, trafen sich am Wochenende in Beilngries – zu einer großen Tauschbörse für die bunten Kostbarkeiten.

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Insgesamt 250 historische Krüge wurden vorgestellt. Foto: altrofoto.de

Insgesamt 250 historische Krüge wurden vorgestellt. Foto: altrofoto.de

Von Thomas Dietz, MZ

Beilngries. Mittags juckt es den Vereinsvorsitzenden in den Fingern: „Jeder Krug 1 Euro“, ruft Harald Busse in den Tagungsraum. Alles zuckt zusammen, der Scherz hat gesessen. Irritiert wenden die Krugsammler ihre Blicke von den bunten Kostbarkeiten auf den Tischen: „Der Busse wieder!“ Nein, für einen Euro gibt’s hier nix. Das teuerste Stück – ein seltener Reservistenkrug aus China um 1900 („Kanonendonner ist unser Gruß!“) mit Flasche und Pfeife – ist auf 6000 Euro angesetzt.

Sonniger Samstagvormittag im schönen Beilngries im Altmühltal. Oben im 3. Stock des Romantikhotels „Der Millipp“ beginnt die erste Tauschbörse des Vereins „Die Krugsammler e.V.“ Man hat sich erst im November vorigen Jahres in Dinkelsbühl neu gegründet – eine Abspaltung vom Krugverein „Alte Germanen“. Sammler und Händler hätten sich, wie man hört, voneinander getrennt und „die echten Krugsammler“ wären nunmehr unter sich.

R. Ron Heiligenstein, eine US-Kapazität der Bierkrugsammler und Verfasser des Standardwerkes „Regimental Beer Steins – Reservistenkruge 1890-1914“ kam eigens aus Tucson, Arizona, um hier seine ohnehin schon spektakuläre Sammlung mit erlesenen Stücken zu vervollständigen. Die meisten seiner Schätze pflegt er aber in der US-Abteilung von E-Bay zu finden. Im Amerikanischen heißt Krug „stein“, Engländer sagen „mug“.

Krüge, die noch nie jemand sah

Viele Gäste haben den Hinweis in der Zeitung gelesen und bringen, dick in Papier eingewickelt, ihre Bierkrüge vorbei, damit sie einer der hiesigen Experten begutachten kann: Günter Motzet und seine Frau packen einen schönen Krug aus, der einen jungen Mann mit Studentenmütze, roter Fahne und der Aufschrift „Gleiches Recht für Alle!“ zeigt, außerdem „Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit“. Das gute Stück aus dem Umkreis SPD/Arbeiterbewegung ist rund 100 Jahre alt und dürfte etwa 150 Euro wert sein.

Alle hier ausgestellten Bierkrüge sind eine wahre Augenweide, da gibt es Steinzeug- oder Figurenkrüge, Berufs- und Zunftkrüge, Mettlach-, Studenten- und Fayencekrüge, Brauereikrüge und die Reservistenkrüge, die offenbar eine besondere Stellung innerhalb der Krugkultur einnehmen: „Das ist ja das Tolle an diesem Sammelgebiet“, erklärt Harald Busse, „es tauchen immer wieder Krüge auf, die noch nie jemand gesehen hat.“ Krüge, die jahrzehntelang wohlgehütet auf ihrer Filzunterlage in der Vitrine standen und von Erben, die nichts damit anfangen können, auf dem Flohmarkt oder bei E-Bay angeboten werden.

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