Oberpfalz & Bayern 17.10.2012, 20:31 Uhr

„Kommunalo“ ohne Kirchturmdenken

Der Nürnberger OB und bayerische Städtetagspräsident Ulrich Maly präsentierte sich im Regensburger Presseclub als nachdenklicher Pragmatiker.

Der Nürnberger OB und Städtetagspräsident Ulrich Maly im Presseclub Regensburg Foto: Tino Lex

Der Nürnberger OB und Städtetagspräsident Ulrich Maly im Presseclub Regensburg Foto: Tino Lex

Von Reinhold Willfurth, Mz

REGENSBURG. Zu den Lautsprechern der bayerischen Politprominenz zählt er nicht, die populistische Pose ist ihm fremd. Und trotzdem – oder vielleicht gerade deswegen – ist Ulrich Maly ein ziemlich erfolgreicher Politiker: Als Oberbürgermeister von Nürnberg moderiert er den schwierigen Strukturwandel in seiner Heimatstadt, und als Präsident des Städtetags vertritt er seit vergangenem Jahr die Belange der bayerischen Kommunen. Dem gegenüber steht eine vergleichsweise schmale Medienpräsenz.

„Ich bin der städtische Referent mit den wenigsten Pressemeldungen“, sagt Maly selbstbewusst bei seinem Besuch am Dienstag im Regensburger Presseclub. Insofern konnte er auch die Frage von Moderatorin Christine Schröpf, ob er so eine Art „Anti-Söder“ sei, mit einem klaren „Ja“ beantworten. Sein Nürnberger CSU-Antipode habe zwar auch seine „ernste und fachliche Seite“, sagte Maly. „Aber der Teil von ihm, der nach Events und Inszenierung lechzt, ist mir fremd“.

Komplexe Themen im Plauderton

Er sei immer auf der Suche nach Ernsthaftigkeit, beschreibt Maly seinen Politikstil. Die Besucher im Presseclub quält er aber nicht mit langatmigen Vorträgen über kommunalen Finanzausgleich und Nettoneuverschuldung. Maly versteht es, komplexe Themen fachlich versiert, aber im Plauderton rüberzubringen. Qualifizieren solche Talente nicht mindestens für die Landespolitik? „Ich bin ein überzeugter Kommunalo“, versichert Maly, und man nimmt es ihm im Gegensatz zu manchem Rathauskollegen auch ab.

Als Präsident des bayerischen Städtetags, zu dem er 2011 als erster Sozialdemokrat seit 36 Jahren gewählt wurde, hat Maly ohnehin Gelegenheit, der großen Politik die Leviten zu lesen. Zum Beispiel bei der Versorgung der bayerischen Kommunen mit Steuergeldern. Dem Freistaat gehe es „deutlich besser als den Gemeinden“. Insofern sei das Ziel der Staatsregierung, den Freistaat bis 2030 schuldenfrei zu machen, mit Vorsicht zu genießen. „Wenn, dann muss der Gesamtfiskus ohne Schulden sein“. Überhaupt müsse man überlegen, was man mit Krediten finanziere. Handele es sich etwa um Schulen und Kitas, „dann ist es legitim, einen Teil der Schulden künftigen Generationen aufzuerlegen“. Der Staat müsse moderierend eingreifen, so Maly.

 

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