Oberpfalz & Bayern 11.10.2011, 21:52 Uhr

Kritik an Herrmann wächst

SPD und Grüne verlangen Aufklärung über die Überwachungs-Software. Die Piratenpartei fordert den Rücktritt des Innenministers.


        Der bayerische Innenminister Joachim Herrmann (CSU), aufgenommen in München: Der Minister verteidigte den Einsatz der Überwachungs-Software.

Der bayerische Innenminister Joachim Herrmann (CSU), aufgenommen in München: Der Minister verteidigte den Einsatz der Überwachungs-Software.

Von Christine Schröpf, MZ, und unseren Agenturkorrespondenten

München. Der Chaos-Computer-Club wird dem Landtag am Mittwoch durch das Enttarnen des sogenannten Bundes-Trojaners eine heftige Debatte bescheren. SPD und Grüne haben Dringlichkeitsanträge eingebracht – gespickt mit unbequemen Fragen an Innenminister Joachim Herrmann. Die Grünen legten am Dienstag bei einer Pressekonferenz in München schon vor. Der eigens angereiste Konstantin von Notz, innenpolitischer Sprecher der grünen Bundestagsfraktion, gab dem Spähprogramm dabei den aus seiner Sicht passenderen Namen. „Von einem Bundes-Trojaner würde ich nicht mehr sprechen“, sagte er. „Es sieht im Augenblick so aus, als wäre es ein Bayern-Trojaner, der in Hessen gefertigt worden ist.“

Im Fokus: Fall aus Augsburg

Die Grünen verlangen lückenlose Aufklärung. Fünf Mal kam das Spähprogramm bisher in Bayern zum Einsatz, so die innenpolitische Sprecherin der SPD-Landtagsfraktion, Susanna Tausendfreund. Ihr spezielles Augenmerk richtet sich auf einen Fall aus Augsburg: Hier waren nach ihrer Kenntnis 15 Verdächtige noch im Frühjahr wegen banden- und gewerbsmäßigen Betrugs im großen Stil ausgespäht worden – damit also nach einem Urteil des Landgerichts Landshut vom Jahresanfang, das in einem Fall den Trojanereinsatz des Landeskriminalamtes für rechtswidrig erklärt habe. Konkret beanstandet worden waren dabei sogenannte Screenshots des Bildschirms im 30-Sekunden-Abstand.

„Kaltschnäuzig“ nannte Tausendfreund, dass Innenminister Herrmann den LKA-Einsatz auch jetzt noch verteidige. Ebenso empöre sie, dass er erst nach Bekanntwerden der Vorwürfe vom Wochenende den bayerischen Datenschutzbeauftragten eingeschaltet habe. „Warum hat er das nicht vorher gemacht, bevor die Software zum Einsatz gekommen ist?“ Für starkes Misstrauen sorgt in den Reihen der Grünen das Bündel von Fähigkeiten, dass der Trojaner vorweise. Lautsprecher oder Kamera des ausgespähten Computers hätten sich damit einschalten oder Daten auf der Festplatte deponieren lassen. „Warum kann die Software das, wenn man es nicht nutzen möchte?“, fragte Notz. Und Tausendfreund argwöhnte, dass der Trojaner mit diesem Bündel von Möglichkeiten bei der Firma in Hessen bestellt worden sei. „Ich kenne keine Firma, die mehr macht, als der Auftrag darstellt.“

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