Oberpfalz & Bayern 01.05.2012, 11:25 Uhr

Mitgefangener muss lebenslang ins Gefängnis

Urteil im Russenmafia-Prozess: Ein 40-Jähriger, der am Mord an einem Häftling in der JVA beteiligt war, muss lebenslang hinter Gitter.


        Der Angeklagte (r.) wird am Montag (30.04.2012) von Polizisten in den Gerichtssaal des Landgerichts in Regensburg geführt.

Der Angeklagte (r.) wird am Montag (30.04.2012) von Polizisten in den Gerichtssaal des Landgerichts in Regensburg geführt.

Von Marion von Boeselager, MZ

Regensburg/Straubing. Im sogenannten Russenmafia-Prozess ist der Hauptangeklagte Igor S. (40) am Montag vor dem Landgericht Regensburg wegen Mordes an einem Strafgefangenen der JVA Straubing sowie wegen versuchten Mordes an einem weiteren Häftling zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt worden. Die Schwurkammer unter Vorsitz von Vizepräsident Werner Ebner stellte zudem die besondere Schwere seiner Schuld fest und ordnete die Sicherheitsverwahrung an.

In einem 26-tägigen Mammutprozess unter schärfsten Sicherheitsvorkehrungen kam das Gericht zu der Überzeugung, dass der Anführer der russischstämmigen Häftlinge, Konstantin F. (44), und sein enger Vertrauter Igor S. den Mord im Oktober 2008 gemeinsam planten und durchführten, um die Macht des Anführers zu erhalten. Konstantin F. beging jedoch im März in seiner Zelle Selbstmord.

Streit um Vormachtstellung im Gefängnis

Der Hintergrund der Tat: Konstantin F.’s Vorgänger Alexander Bor, ein wegen Mordes an einem Mafia-Konkurrenten verurteilter und 2006 nach Russland ausgewiesener „Pate“ , hatte 2003 in der JVA Straubing eine Sozialkasse „Abschtjak“ installiert, in die die russischstämmigen Gefangenen einzahlen mussten. Das Mordopfer hatte erfahren, dass Konstantin F. Gelder aus dem Fonds für private Zwecke abzweigte. Die Angeklagten, so das Gericht, vermuteten, er plane einen Aufstand gegen ihn.

Entgegen eines ungeschriebenen Gesetzes nahmen die Angeklagten Stichwaffen, Messer und vermutlich einen angeschliffenen Schraubenzieher, mit in eine Gefangenenversammlung in einer Zelle, um den Aufrührer, wenn nötig zur Rechenschaft zu ziehen und zum Schweigen zu bringen. Die Tür wurde blockiert. In der zunächst verbalen, dann körperlichen Auseinandersetzung, versetzte Igor S. nach Überzeugung des Gerichts zunächst einem Häftling, der dem Getöteten helfen wollte, einen Stich in die Brust, verfehlte sein Herz nur knapp und verletzte ihn lebensbedrohlich. Danach stachen beide Hauptangeklagte auf das Mordopfer ein, wobei Konstantin F. dem Häftling „bewusst und gewollt“ den tödlichen Hieb in Herz und Lunge versetzte, „um ihn zum Zweck seines Machterhalts zu töten.“ Das Opfer sei arg- und wehrlos gewesen, so das Gericht, und habe nicht mit einer Messerattacke gerechnet.

Unterlassene Hilfeleistung

Die beiden zunächst wegen Beihilfe zum Mord mitangeklagten Strafgefangenen Denis G. (30) und Denis S. (30), die zunächst wegen Beihilfe zum Mord angeklagt waren, wurden lediglich wegen Unterlassener Hilfeleistung zu Freiheitsstrafen von drei, beziehungsweise zwei Monaten verurteilt. Sie hatten den tödlich getroffenen Häftling, wohl auf dessen eigenen Wunsch zur Dusche begleitet und dort zurückgelassen. Da das Opfer aber aus seiner Brustwunde kaum geblutet habe, ging das Gericht zugunsten der Angeklagten davon aus, dass sie die Lebensgefährlichkeit der Verletzung nicht erkannten.

 

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