Ab Herbst sollen die neuen alten Kennzeichen wieder möglich sein. Foto: dpa
Von Reinhold Willfurth, MZ, und unseren Korrespondenten
München/Regensburg. Warten auf BUL, SOG und WOR: Verkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) will die alten Kennzeichen wieder zulassen. Bis zur endgültigen Wiedereinführung der früheren Autokennzeichen in 1972 aufgelösten fast 100 Alt-Landkreisen und kreisfreien Städten Bayerns werden noch einige Monate ins Land gehen. Zunächst muss der Bundesrat die Änderung der Fahrzeugzulassungsverordnung bestätigen. In Bayern muss noch das Kabinett zustimmen. Doch sind längst nicht alle Details geklärt: „Hinsichtlich des Verfahrens und der möglichen Gebiete für eine Wiedereinführung besteht noch Abstimmungsbedarf“, sagt eine Sprecherin des bayerischen Wirtschaftsministeriums. Ramsauer will auch die Einführung neuer Kennzeichen ermöglichen.
Die Wunden von 1972
Im Zuge der Gebietsreform Anfang der 70er Jahre hatten 23 bayerische Städte ihre Unabhängigkeit als kreisfreie Städte verloren, 72 Landkreise wurden aufgelöst. Dazu zählen Burglengenfeld (BUL) in der Oberpfalz ebenso wie Dinkelsbühl (DKB) in Mittelfranken, das oberbayerische Schongau (SOG), Wolfratshausen (WOR) oder das niederbayerische Eggenfelden (EG). In all diesen Kommunen sollen die Bürger künftig wählen dürfen, ob sie an ihrem Auto das frühere Nummernschild oder das heutige Kennzeichen ihres Landkreises schrauben. Die Burglengenfelder hätten damit die Wahl zwischen dem wiedereingeführten BUL und SAD – dem Kennzeichen ihres Landkreises Schwandorf.
Die sogenannte kommunale Familie ist in Sachen Nummernschild gespalten: Viele Bürgermeister heute kennzeichenloser Städte sind für die Wiedereinführung, der Landkreistag dagegen. Aber sogar in manchen der betroffenen Städte sind die Bürgermeister skeptisch. So steht der Burglengenfelder Bürgermeister Heinz Karg (SPD) der Wiedereinführung von BUL reserviert gegenüber, wie ein Sprecher der Stadtverwaltung sagt. „Wir wollen das zarte Pflänzchen der interkommunalen Zusammenarbeit nicht gefährden“. Die Burglengenfelder wollen nämlich in den Nachbarstädten Maxhütte und Teublitz nicht den Eindruck erwecken, als wollten sie eine hervorgehobene Rolle spielen.
Damit liegt Karg auf einer Linie mit dem Landratsamt Schwandorf. „Unser Herz hängt nicht an den alten Kennzeichen“, sagt Sprecher Franz Pfeffer. Dem Wunsch nach einem der früheren Kennzeichen auf dem heutigen Landkreisgebiet, die Auswahl geht von BUL über NAB und OVI bis zu NEN, werde man sich aber nicht verschließen – auch wenn der Marketingeffekt der Altkennzeichen überschätzt werde. Nicht zu unterschätzen ist nach Ansicht von Pfeffer der Verwaltungsaufwand. „Wir müssen überprüfen, ob die 2500 Altkennzeichen für Fahrzeuge, die vor 1972 zugelassen wurden, noch im Umlauf sind“. Meist handelt es sich dabei um landwirtschaftliche Fahrzeuge.
In den Landratsämtern der Region hält sich die Begeisterung über die Altkennzeichen generell in Grenzen. Sprecher Hans Fichtl vom Landkreis Regensburg verweist auf die klare Ansage des bayerischen Landkreistags vom Juli, der sich auch sein Chef, Landrat Herbert Mirbeth, angeschlossen habe. „Die Wiedereinführung von Altkennzeichen bedeutet ein Zurück in die Vergangenheit“, sagte Präsident Dr. Jakob Kreidl.
„Wenn’s die Bürger haben wollen...“
Auch im Landkreis Neumarkt koche man das Thema „auf Sparflamme“, sagt Sprecher Roland Hartwiger. Dr. Hubert Faltermeier, Landrat in Kelheim (MAI, RID, ROL) wollte sich jüngst überhaupt nicht zum Thema äußern. „Wenn’s die Bürger haben wollen, wird man sich nicht querstellen“, gibt Sprecher Friedrich Schuhbauer das Meinungsbild im Landratsamt von Cham (KÖZ, WÜM, ROD) wieder.
Bis jetzt keine Nachfrage“, lautete die Auskunft von Sprecher Hubert Uschald vom Landratsamt Amberg-Sulzbach (SUL). Landrat Simon Wittmann aus Neustadt an der Waldnaab (VOH, ESB) zeigte sich schon vor Monaten „nicht begeistert“ von der neuen Regelung, weil es immer sein Bestreben gewesen sei, das Gebietsdenken zu überwinden.
In Roding (Kreis Cham) freut man sich dagegen auf die Renaissance des alten Kennzeichens ROD. Der entsprechende Stadtratsbeschluss liege schon seit über einem Jahr vor, sagt Bürgermeister Franz Reichold. „Wir wollen nicht den Altlandkreis Roding wiederbeleben, sondern Werbung für die Stadt betreiben“, sagt Reichold. Viele Firmen trügen den Namen der Stadt in die Welt hinaus, unter anderem den einer Autofirma mit dem Namen Roding. Da sei es naheliegend, dass man dies auch am Nummernschild erkenne. Auch in Parsberg (Kreis Neumarkt) sehnt man sich laut Stadtratsbeschluss nach dem Altkennzeichen PAR.
Pragmatische Nachbarländer
Während das Thema in Deutschland teilweise zu heißen Diskussionen führt, gehen andere Länder pragmatischer damit um. In Österreich gibt es für Fahrer, die ein persönlich angehauchtes Schild wollen, ähnliche Möglichkeiten wie in Deutschland. Mit rund 250 Euro ist ein Wunschkennzeichen aber ziemlich teuer. In den Niederlanden vergibt die Kraftfahrzeugbehörde das Schild für Neuwagen, der Halter kann aus verfügbaren Kombinationen von Ziffern und Buchstaben wählen. In Tschechien sollen Autofahrer bald völlig freie Wahl haben. Für rund 400 Euro Zusatzgebühr kann man sich dann etwa das Kennzeichen „JAN-NOVAK“ bestellen. In Spanien war bis vor elf Jahren am Kfz-Kennzeichen erkennbar, woher die Autos kamen. Jede Provinz hatte einen Buchstaben. Dies wurde 2001 geändert. Alle neu zugelassenen Autos erhalten seither eine zentral vergebene Nummer aus vier Ziffern und drei Buchstaben, die nichts über die Herkunft sagt.
In der Schweiz werden die „Kontrollschilder“ dem Halter zugeteilt. Er kann sie abwechselnd für maximal zwei Wagen nutzen. Alle Kennzeichen beginnen mit zwei Buchstaben, die für den Heimatkanton stehen. In Russland kann jedes Auto über eine zwei- oder dreistellige Zahl am Ende des Nummernschildes einem administrativen Gebiet zugeordnet werden. In Belgien werden Nummernschilder dem Halter zugeteilt.