Oberpfalz & Bayern 07.08.2012, 11:22 Uhr

Mehr Gewalt gegen Polizisten

Immer wieder werden in Bayern Polizisten angegriffen, beleidigt und verletzt. Die Zahl der Gewaltakte ist im Vergleich zu 2010 um zehn Prozent auf 6909 Fälle gestiegen. Innenminister Herrmann beklagt einen schwindenden Respekt vor der Staatsgewalt.

Die Gewalt gegen Bayerns Polizisten hat im letzten Jahr weiter zugenommen. Foto: dpa

Die Gewalt gegen Bayerns Polizisten hat im letzten Jahr weiter zugenommen. Foto: dpa

Nürnberg. Polizisten in Bayern sind im vergangenen Jahr im Einsatz deutlich häufiger angegriffen worden als im Vorjahr. Die Zahl der Gewaltakte gegen Beamte stieg im Vergleich zu 2010 um zehn Prozent auf 6909 Fälle. Dies geht aus dem am Dienstag in Nürnberg vorgestellten Lagebild „Gewalt gegen Polizeibeamte 2011“ hervor. „Der Respekt vor der Polizei schwindet“, stellte Innenminister Joachim Herrmann (CSU) fest. Der Trend zu immer häufigeren und schwereren Übergriffen habe sich fortgesetzt. Fast jeder dritte Beamte sei betroffen gewesen. Herrmann kündigte verstärkte Maßnahmen zum Schutz der Polizisten an. SPD und Grüne im Landtag sowie die Gewerkschaft der Polizei (GdP) kritisierten die Maßnahmen als unzureichend.

Es werde „beleidigt, bespuckt, bedroht, geschlagen, getreten und mit dem Kopf gestoßen“, berichtete Herrmann. In einigen Fällen hätten die Beamten Todesangst gehabt.

Die Zahl der Angriffe mit Messern und anderen Stichwaffen sei im vergangenen Jahr leicht zurückgegangen. Fünfmal sei versucht worden, einen Beamten zu töten. Der Mord an dem Augsburger Polizisten Mathias Vieth im Oktober 2011 habe gezeigt, wozu Straftäter fähig seien, sagte Herrmann.

In einem Fall sei einem Beamten eine Fingerkuppe abgebissen worden, berichtete Landespolizeipräsident Waldemar Kindler. Im Vergleich mit anderen Bundesländern stehe Bayern aber noch ganz gut da. Das bundesweite Lagebild solle in den kommenden Wochen vorgestellt werden, fügte Kindler hinzu.

Im Freistaat waren 72 Prozent der Gewalttäter betrunken oder hatten Drogen genommen. Meist handelt es sich bei den Delikten um Beleidigung (40 Prozent), Widerstand gegen die Staatsgewalt (20 Prozent) und Körperverletzung (30 Prozent).

Mehr als 14.000 Beamte - und damit 13,4 Prozent mehr als 2010 - waren von physischer und psychischer Gewalt betroffen. Im Schnitt wurden demnach 19 Vorfälle pro Tag registriert. 1918 Polizisten wurden im Jahr 2011 verletzt - ein Plus von 17,1 Prozent.

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