Weitere Verdachtsfälle in Münchner Klinik
Am Klinikum Rechts der Isar sind zwei weitere Fälle von gefälschten Blutproben aufgetaucht. Die Transplantations-Warteliste wurde für Patienten geschlossen.
Am Münchner Klinikum Rechts der Isar sollen Mediziner in der Vergangenheit Diagnosedaten gefälscht haben, um Patienten zu einer Organtransplantation zu verhelfen. Foto: dpa
München. Im Organspende-Skandal am Münchner Klinikum rechts der Isar sollen in zwei weiteren Fällen Blutproben gefälscht worden sein. Nach Informationen des Bayerischen Rundfunks wurden die Proben bereits Ende 2009 mit Urin manipuliert, um die Werte zu verschlechtern und den Patienten so vermutlich leichter ein Spenderorgan zu besorgen. Dies habe eine Untersuchung der klinikinternen Task Force ergeben, die die Laborwerte noch einmal genau untersucht hatte. Dem Bericht zufolge kam es aber in keinem der beiden Fällen zu einer Transplantation. Eine Kliniksprecherin wollte sich am Samstag nicht dazu äußern.
Bereits am Freitag hatte das Klinikum mitgeteilt, die noch andauernde Prüfung der Task Force habe neue „Verdachtsmomente auf Richtlinienverstöße“ ergeben. Deswegen zog das Klinikum am Freitag die Reißleine: Der Klinikvorstand beschloss, vorerst keine neuen Patienten auf die Warteliste für Lebertransplantationen aufzunehmen. Das teilte der Aufsichtsratschef, Wissenschaftsminister Wolfgang Heubisch (FDP), in München mit.
Die Task Force am Klinikum Rechts der Isar ist damit betraut, die Lebertransplantationen der vergangenen Jahre zu prüfen. Ziel sei es, vollständige Transparenz zu schaffen und Schwachstellen zu beseitigen. Den bedauerlichen neuen Fällen werde nun im Detail nachgegangen, sagte eine Sprecherin.
Wegen des Organskandals müssen sich alle Lebertransplantationszentren in Bayern zudem einer externen Überprüfung unterziehen. Dazu nahm am Freitag eine unabhängige Expertenkommission ihre Arbeit auf. Der Leiter des Gremiums, der österreichische Chirurg Ferdinand Mühlbacher, sagte, an den Kliniken würden Abläufe und Strukturen untersucht und verbessert.
Heubisch erklärte, für die Aufklärung der Verdachtsfälle bei der Organvergabe seien die Staatsanwaltschaft und die Bundesärztekammer zuständig. Die Kommission solle indes dafür sorgen, dass Fehler künftig ausgeschlossen seien, damit die Bevölkerung das Vertrauen zurückgewinne. (dpa/dapd)

