Notfallnummer, die kaum einer kennt
Seit Mitte April kann man die 116117 anrufen, wenn man einen Arzt braucht. Doch die Hotline hat Tücken: Anrufer landen weiterhin im kostenpflichtigen Call-Center.
Während die Notrufnummern 110 für die Polizei und 112 für die Feuerwehr allgemein bekannt sind, weiß von der 116117 für den Ärztlichen Bereitschaftsdienst kaum jemand. Foto: dpa
Regensburg. Ein grippaler Infekt kommt immer ungelegen – nicht selten allerdings am Wochenende. Doch an wen soll man sich wenden, wenn der vertraute Hausarzt nicht zu erreichen ist? In Bayern gibt es seit 2003 die kostenpflichtige Hotline 01805-191212, die inzwischen bestens eingeführt und hinlänglich bekannt ist – und die technisch einwandfrei funktioniert. Seit Mitte April dieses Jahres gibt es zudem die neue kostenlose Notfallnummer 116117 der Kassenärztlichen Vereinigung, die eines Tages europaweit eingeführt werden soll, die gegenwärtig allerdings kaum jemand kennt – und die auch noch keine zufriedenstellende Ersatzlösung darstellt.
Die Integrierte Leitstelle in Regensburg etwa verweist Anrufer, die den ärztlichen Bereitschaftsdienst in Anspruch nehmen wollen, bis dato nach wie vor an das kostenpflichtige Call-Center, wie stellvertretender Dienststellenleiter Hubert Pauly am Donnerstag gegenüber unserer Zeitung sagte. Denn „offiziell wissen wir noch gar nichts von der Nummer“, über die am Ende der Kette ein Hausarzt im Bereitschaftsdienst in Bewegung gesetzt wird. Von der Kassenärztlichen Vereinigung habe die Leitstelle jedenfalls bislang keinerlei Informationen erhalten.
Schwachstellen im System
Dennoch haben Pauly und seine Männer das neue System bereits getestet – und für wenig zufriedenstellend befunden. Unter anderem sei die korrekte Zuordnung von Postleitzahlen, die man bei einem Anruf eingeben muss, um an die richtige Stelle weitergeleitet zu werden, nicht gewährleistet, sagt er. Die rund 10.000 Anrufer, die pro Jahr bei der Integrierten Leitstelle nach dem Ärztlichen Bereitschaftsdienst fragen, werden deshalb wie bisher konsequent an die 01805-191212 verwiesen.
Kirsten Warweg von der Pressestelle der Kassenärztlichen Vereinigung Bayerns (KVB) räumte die Schwachstellen des neuen Systems am MZ-Telefon auch unumwunden ein, betonte aber gleichzeitig, dass „mit der 191212 im Freistaat eine voll funktionstüchtige Nummer zur Verfügung“ stehe. Die neue „116117“ laufe derzeit parallel und führe „auf Umwegen“ ebenfalls zu den Vermittlungs- und Beratungszentralen der KVB in München oder Bayreuth. Allerdings sei dazu gelegentlich die Postleitzahl des momentanen Aufenthaltsortes über die Tastatur einzugeben, wenn das System die Region, aus der der Anruf kommt, nicht automatisch erkenne. Ob die KVB die neue Nummer wegen dieses Mangels noch nicht offensiv kommuniziert hat, ließ Warweg offen. „Wir hatten bisher einfach noch keine Veranlassung“, sagte sie.

