Oberpfalz & Bayern 29.04.2012, 20:57 Uhr

Nur ein Schritt vom Runden ins Eckige

Die Wallfahrtskirche „Kappel“ beeindruckt durch meisterhafte barocke Rundungen – bis man das Kirchenschiff betritt.

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        Pater Friedhelm Foto: Willfurth

Pater Friedhelm Foto: Willfurth

Von Reinhold Willfurth, mZ

MÜNCHENREUTH. Als er sah, dass sein Werk fast vollendet war, schied er dahin. Nur 46 Jahre alt war der hochtalentierte Baumeister Georg Dientzenhofer, der Architekt der „Kappel“ bei Münchenreuth, als er starb. „Im Rohbau hat er die Kirche noch erlebt“, sagt Pater Friedhelm Czinczoll.

Ein kalter Wind fegt über den grünen Hügel zwei Kilometer nördlich der Klosterstadt Waldsassen im Landkreis Tirschenreuth. Der Frühling lässt sich dieses Jahr Zeit in der Nordoberpfalz. Umso schöner tritt hinter den noch kahlen Lindenbäumen der Kuppelbau der „Kappel“ zutage. Die drei großen, schlanken Türme lassen Dientzenhofers originellstes Bauwerk fast wie eine orthodoxe Kirche mit ihren verspielten Zwiebeltürmen aussehen. „Darauf werde ich immer angesprochen“, sagt der „Hausherr“ der Rundkirche.

Wer die „Kappel“ genauer unter die Lupe nimmt, kommt schnell vom Runden ins Eckige. Denn die Idee des aus Oberbayern stammenden Baumeisters Dientzenhofer für die Wallfahrtskirche des benachbarten Klosters Waldsassen war, die Dreieinigkeit Gottes in Architektur umzusetzen. Im Mittelpunkt des Kirchengrundrisses steht somit ein gleichschenkeliges Dreieck, das Gottvater symbolisieren soll. Nach einer frommen Legende soll dem Architekten die Idee beim Anblick einer Weide mit drei Stämmen am Ufer der nahen Wondreb gekommen sein: „Drei Rundtürme, die aus einem Grund wachsen, drei Gewölbe, die ein Dach bilden, drei Nischen, die zusammen ein Kirchenraum sind“, soll Dientzenhofers Gedankenblitz gewesen sein. Dann ging alles sehr schnell. Grundsteinlegung war am 12.Juli 1685, vier Jahre später stand die imposante Rundkirche. Die kirchliche Weihe durch den Regensburger Weihbischof Albert Ernst Graf von Wartenberg erfolgte aber erst 1711.

Finanzierung durch die Pilger

Warum das Zisterzienserkloster Waldsassen das Gotteshaus gerade hier, mitten in Feldern und Wiesen, erbauen ließ, dafür gibt es laut Pater Friedhelm einen ganz pragmatischen Grund: Den Mönchen, die hier das Vieh des Klosters hüteten, sei der Weg zum Gebet ins Kloster zu weit gewesen.

 

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