Das Privathaus des Papstes in Pentling wurde renoviert und soll künftig der Wissenschaft dienen. Foto: dpa
Von Uli Scherr, dapd, und Christoph Renzikowski, KNA
Pentling. Der Schreibtisch ist ein Nachbau. Das Original steht in Rom. Joseph Ratzinger hat das Möbelstück mitgenommen, als er 1981 zum Präfekt der Glaubenskongregation berufen wurde. Der Tisch diente dem Theologen und heutigen Kirchenoberhaupt Papst Benedikt XVI. seit den 50er-Jahren als Arbeitsplatz. Am Samstag wird im Regensburger Vorort Pentling das renovierte frühere Wohnhaus des Papstes als Begegnungsstätte eingeweiht. Der nachgebaute Schreibtisch ist darin ein zentrales Exponat. Denn die neue Begegnungsstätte will sich ganz auf den Theologen und Professor Joseph Ratzinger konzentrieren.
„Man soll hier dem Leben der Familie Ratzinger und dem Arbeitsort des Professors begegnen können.“ Mit diesen Worten hat Rudolf Voderholzer vom Vorstand der Stiftung Papst Benedikt bei früherer Gelegenheit die Konzeption beschrieben.
Das Haus, das der Theologieprofessor Ratzinger bis zu seiner Berufung zum Erzbischof von München im Jahr 1977 bewohnte, ist in den vergangenen Wochen behutsam renoviert und in seinen „Ursprungszustand“ gebracht worden. Unter anderem wurde das frühere Arbeitszimmer des Theologieprofessors wieder originalgetreu eingerichtet – mit seinen Büchern und seinem Mobiliar. Zu sehen ist in dem Haus auch die mechanische Schreibmaschine, auf der Ratzingers 1991 verstorbene Schwester Maria über Jahrzehnte sämtliche Manuskripte ihres gelehrten Bruders abtippte.
Ratzingers Schwester und seinem drei Jahre älteren Bruder Georg, dem ehemaligen Regensburger Domkapellmeister und Chef der weltberühmten Domspatzen, sind in der neuen Begegnungsstätte eigene Räume gewidmet. Der Kirchenmusiker steuerte für die Ausstattung einige Handschriften eigener Kompositionen bei. Das Wohnzimmer wurde zum Konferenzzimmer umgestaltet, für kleinere Veranstaltungen mit bis zu 25 Personen.
Von außen wird vorerst nur eines an seinen früheren prominenten Besitzer erinnern: Der Traunsteiner Bildhauer Johann Brunner hat eine Bronzebüste vom Papst angefertigt, die neben der Haustür angebracht wird. Offenbar hat Benedikt XVI. Gefallen an Brunners Arbeit gefunden. Von ihm stammt auch eine Skulptur, die seit 2007 an die Primiz der Ratzinger-Brüder vor der Traunsteiner Pfarrkirche Sankt Oswald erinnert.
Auch Gänswein reist an
Zur Einweihung des Hauses werden Prälat Dr. Georg Gänswein, Prälat Georg Ratzinger, der Apostolische Nuntius in Deutschland, Jean-Claude Périsset, und der Präfekt der römischen Glaubenskongregation, Erzbischof Gerhard Ludwig Müller, in Pentling erwartet. Müller war bis zum Sommer Bischof von Regensburg. Der Präfekt der Glaubenskongregation wird mehrere Zimmerkreuze segnen. Auch nach seinem Wechsel nach Rom obliegt ihm die Verantwortung für die Herausgabe des wissenschaftlichen Gesamtwerks von Joseph Ratzinger.
Diözesanadministrator Wilhelm Gegenfurtner, der seit Müllers Abschied die kommissarische Leitung des Bistums innehat, freut sich auf die neue Begegnungsstätte. „Es soll nicht irgendein Museum werden“, sagte Gegenfurtner. Die Besucher in Pentling könnten sich vielmehr auf einen „lebendigen Austausch“ mit der Theologie Papst Benedikts freuen. Gegenfurtner hofft, dass das Haus einen Akzent gegen die seiner Meinung nach übertriebene Vermarktung von Papst Benedikt setzen kann. „Es ist ein Unterschied, ob ich sage, ich verkaufe eine Papst-Breze, oder ich stelle ein Gebäude zur Verfügung, in dem man sich mit seiner Person und den Inhalten beschäftigen kann.“ Es bestehe immer die Gefahr, dass man „eine Person und ihr Werk inflationär besetzt“. Die Begegnungsstätte trete dem entgegen.
2006 war der Papst zuletzt hier
Ratzinger war 1969 einem Ruf an die Universität Regensburg gefolgt. Seit 1970 bewohnte er gemeinsam mit seiner Schwester das damals neu errichtete, etwa 150 Quadratmeter große Haus am Regensburger Stadtrand, nur wenige Hundert Meter Luftlinie vom Campus der Universität entfernt. Nach seiner Berufung zum Erzbischof von München im Jahr 1977 nutzte er das Haus nur noch bei seinen gelegentlichen Regensburg-Aufenthalten. Zum letzten Mal betrat er das Haus im Jahr 2006 – als Papst, bei seinem Besuch in Bayern. Vor eineinhalb Jahren übergab Bruder Georg Ratzinger die Hausschlüssel an die Benedikt-Stiftung.
Gegenfurtner sagte weiter, er hoffe, die neue Begegnungsstätte werde sich zu einem lebendigen Haus entwicklen. „Es soll nicht irgendein Museum werden.“ Die Besucher in Pentling könnten vielmehr einen „lebendigen Austausch“ mit der Theologie Papst Benedikts erwarten. In dem neuen Begegnungszentrum werde das Werk „des früheren Professors und jetzigen Heiligen Vaters“ gebündelt dargestellt.
Weiter sagte der Diözesanadministrator: „Wer den Heiligen Vater ein bisschen persönlich kennt“, sagt Gegenfurtner, „der weiß, was für ihn Regensburg, was ihm Heimat bedeutet. Und dass dieses Bewusstsein auch immer eingebettet ist in seine ganze Theologie.“ Dies alles werde in der neuen Begegnungsstätte dargestellt. Gegenfurtner kennt den heutigen Papst seit rund 40 Jahren. Er hatte den Theologieprofessor Joseph Ratzinger als Student und später als wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Uni Regensburg kennengelernt.
Gegenfurtner wurde im Sommer kommissarisch mit der Leitung des Bistums Regensburg betraut, nachdem der bisherige Diözesanbischof Gerhard Ludwig Müller die Ernennung als Präfekt der Glaubenskongregation in Rom erhalten hatte. Auf die Frage, wann er mit der Berufung eines neuen Bischofs für Regensburg rechnet, sagte Gegenfurtner: „Ich sage immer gerne ein wenig salopp: Ich hoffe und wünsche mir, dass es ein Christkind wird. Und das ist sicher realistisch.“