Oberpfalz & Bayern 27.05.2012, 20:53 Uhr

Seehofer gräbt Entschädigungsfrage aus

Die CSU nutzt das Vertriebenentreffen dazu, um wieder auf eine Entschädigung deutscher Zwangsarbeiter zu pochen.


        Der bayerische Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) spricht auf dem 63. Sudetendeutschen Tag in Nürnberg.

Der bayerische Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) spricht auf dem 63. Sudetendeutschen Tag in Nürnberg.

Nürnberg. CSU und Vertriebenenverbände machen Druck bei der Entschädigung von deutschen Zwangsarbeitern. „Wir zahlen in Europa für alle, dann können wir auch für deutsche Zwangsarbeiter zahlen“, sagte der bayerische Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) beim Sudetendeutschen Tag am Pfingstsonntag in Nürnberg. Die Vorsitzende des Bundes der Vertriebenen, Erika Steinbach, gab sich nach den Seehofer-Äußerungen zuversichtlich, dass es nun zu einer Lösung kommt: „Ich bin entschlossen, in der Frage nicht nachzugeben. Das ist eine Frage der politischen Glaubwürdigkeit“, sagte sie der Nachrichtenagentur dpa am Rande des Nürnberger Vertriebenentreffens.

Nationaler Gedenktag für die Opfer von Flucht und Vertreibung

Seehofer kündigte an, die Entschädigungsfrage bereits beim nächsten Spitzentreffen der Parteivorsitzenden in Berlin einzubringen. Dabei wolle er auch den schon länger geforderten nationalen Gedenktag für die Opfer von Flucht und Vertreibung zum Thema machen, kündigte der CSU-Vorsitzende vor mehreren tausend Heimatvertriebenen im Nürnberger Kongresszentrum an. „Ich werde beide Themen mit bayerischem Nachdruck in das Koalitionsgespräch einbringen. Mir liegt viel daran, dass Ankündigungen endlich Taten folgen“, unterstrich Seehofer. „Einen solchen Gedenktag brauchen wir nicht irgendwann, sondern jetzt.“

Nach Einschätzung von Vertriebenen-Chefin Steinbach würden sich die Kosten für die Entschädigung deutscher Zwangsarbeiter auf 200 Millionen Euro belaufen. Gedacht sei an einen Einmalbetrag von 5000 Euro für jeden Betroffenen. „Ein solcher Betrag muss adäquat zu dem sein, was allen anderen Zwangsarbeitern gezahlt wird“, sagte sie der dpa. Nach ihrer Schätzung leben in Deutschland noch rund 40 000 Deutsche, die nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs in Straflagern in Polen, Russland, der Tschechoslowakei und Rumänien zu Strafarbeit verpflichtet waren. Nachdem Union und FDP als Oppositionsparteien für eine solche Entschädigung gestimmt hätten, könnten sie nun als Regierung schlecht dagegen sein, ohne sich unglaubwürdig zu machen.


 

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