Tourismusverband beschließt Insolvenz
Die Tourismusbranche in Oberbayern steht vor einem organisatorischen Neuanfang. Der Jahrzehnte erfolgreich arbeitende Dachverband ist pleite.
Der Vorsitzende des Tourismusverbandes, Christoph Hillenbrand, will die Insolvenz beantragen. Foto: dpa
München. Die Insolvenz des Tourismusverbands München-Oberbayern ist beschlossene Sache. Er werde die Insolvenz noch diese Woche beim zuständigen Gericht beantragen, sagte Verbandschef Christoph Hillenbrand am Dienstag in München. Die Mitglieder - überwiegend Ferienregionen aus Oberbayern - hätten diesen Schritt am Montagabend einstimmig beschlossen, erläuterte Hillenbrand, der zugleich Regierungspräsident von Oberbayern ist.
Die Urlaubsorte waren nicht mehr bereit, dem Dachverband der Branche in Oberbayern mit einer weiteren Finanzspritze unter die Arme zu greifen. Im August hatten sie den eingetragenen Verein noch mit einer Sonderzahlung in Höhe von einer Viertelmillion Euro unterstützt. Der größte deutsche Tourismusverband mit mehr als 300 Mitgliedern und jährlich 30 Millionen Übernachtungen hatte jahrelang EU-Förderbestimmungen verletzt. So wurden Rechnungen für Leistungen eingereicht, die noch gar nicht erbracht waren.
Nach Bekanntwerden der Verstöße drehte das Wirtschaftsministerium in München im Sommer den Geldhahn zu und ordnete eine genaue Überprüfung des Verbandes an. Die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen Subventionsbetruges gegen die fristlos entlassene Geschäftsführerin.
100-Prozent-Prüfung war der Genickbruch
Die sogenannte 100-Prozent-Prüfung bricht nun dem seit rund 70 Jahren bestehenden Verband das Genick. Weil kein baldiges Ende der Untersuchung und damit auch kein Zeitpunkt für die Aufhebung des Förderstopps abzusehen sei, hätten die Mitglieder keine Bereitschaft mehr für weitere Geldspritzen gezeigt, erläuterte Hillenbrand. Er machte deutlich, dass er selbst für eine Fortführung des Verbandes plädiert, damit aber kein Gehör gefunden habe. „Ich bin für die Weiterführung der Aufklärung“, sagte Hillenbrand.
Ausführlich ging der Spitzenbeamte auf seine Doppelfunktion als Regierungspräsident, der den Verband beaufsichtigt, und als Verbandsvorsitzender ein. Diese ehrenamtliche Funktion habe er auf Veranlassung der Staatsregierung ausgeübt, sagte Hillenbrand. Er habe aber schon längere Zeit erkannt, dass diese Praxis überholt sei, und habe beabsichtigt, bei den Neuwahlen im kommenden Frühjahr nicht mehr für den Vorsitz zu kandidieren.

