Warten auf die Oberpfälzer Oberleitung
Minister Ramsauer gibt der Elektrifizierung der Bahntrasse Regensburg-Hof gute Chancen. Die SPD fordert einen Vertrag, damit geplant werden kann.
Ein Triebwagen der Vogtlandbahn auf dem Weg nach Schwandorf. Seit mehr als 60 Jahren wartet die Region auf die Elektrifizierung. Foto: Gabi Schönberger
REGENSBURG. Es geht nur um eine vergleichsweise geringe Summe: Gemessen an den über 400 Millionen Euro, die die Elektrifizierung der Bahnstrecke Regensburg-Hof kosten soll, fällt der einstellige Millionenbetrag für die Vorplanung kaum ins Gewicht. Und doch könnte ein schnelles Ende des verkehrspolitischen Albtraums der Oberpfälzer daran scheitern.
Der Albtraum besteht darin, dass die Region seit mehr als 60 Jahren vergeblich auf den Anschluss an das internationale Verkehrsnetz der Bahn wartet. Unbedingte Voraussetzung dafür wäre die Elektrifizierung der Trasse Regensburg-Hof. Seit dem Ende des Eisernen Vorhangs ist die Oberpfalz nicht mehr das Ende der Welt, sondern liegt verkehrsgünstig mitten in Europa. Firmen erkennen die Chance, die Region als Sprungbrett in die neuen Märkte Osteuropas zu nutzen – auch dank des Zug um Zug ausgebauten Autobahnnetzes. Nur die Deutsche Bahn hinkte weit hinter dieser Entwicklung her – bis die Strategen in Berlin vor wenigen Jahren die Nord-Süd-Bahnverbindung als Teil einer höchst notwendigen Alternativstrecke für den Güterverkehr von den Nord- und Ostseehäfen nach Südosteuropa entdeckte. Nur auf der Strecke von Hof bis Regensburg verkehren noch Diesellokomotiven. Plötzlich verspüren Politiker und Vertreter der Wirtschaft, die seit Jahrzehnten vergeblich um die überfällige Elektrifizierung kämpfen, Rückenwind. Nur die diversen Verkehrsminister in Bonn und Berlin zuckten bislang mit den Schultern. Kürzlich war wieder einmal eine Delegation aus Politikern und Vertretern der Wirtschaft in Berlin, um für das Projekt zu werben. Und MdB Albert Rupprecht (CSU) brachte Nachrichten von der Unterredung mit Verkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) mit, die sich gut anhörten: Das Ergebnis einer Wirtschaftlichkeitsbewertung für das Projekt sei „sehr gut“ und habe deshalb „die besten Chancen, in den Bundesverkehrswegeplan 2015 aufgenommen zu werden“.
Bahn und Freistaat sollen planen
Die Aufnahme in den vordringlichen Bedarf des Verkehrswegeplans ist Voraussetzung dafür, dass das Projekt überhaupt verwirklicht werden kann. Der Zeitpunkt steht dabei noch lange nicht fest. Um das Projekt zu beschleunigen, könnte aber ab sofort mit der Vorplanung begonnen werden, sagte Ramsauer. Freilich nicht mit Geld aus seinem Ministerium, weil das Projekt noch nicht im Verkehrswegeplan aufgenommen sei, berichtet Rupprecht von dem Treffen in Berlin. Der Vorschlag Ramsauers: Bahn und Freistaat Bayern könnten sich die Planungskosten ja teilen. Nach Einschätzung der Fachleute im Ministerium dürften die ersten Planungsphasen einen einstelligen Millionenbetrag kosten. Albert Rupprecht schlägt vor, sich nochmals an die Deutsche Bahn zu wenden und darauf zu drängen, dass die erste Planungsphase bereits vor 2015 startet.

