Oberpfalz & Bayern 12.10.2012, 19:45 Uhr

Wenn sich die Polizei vermummt

Falls Ordnungshüter das Gesetz brechen, kommen sie fast immer ohne Konsequenzen davon – auch weil es ihnen fehlende Regelungen so leicht machen.

Keine Demo ohne Polizei: Die Beamten tragen Helme, aber keine Nummer. Schwarze Schafe sind so nur schwer zu ermitteln. Foto: dpa

Keine Demo ohne Polizei: Die Beamten tragen Helme, aber keine Nummer. Schwarze Schafe sind so nur schwer zu ermitteln. Foto: dpa

von Pascal Durain, mz

Regensburg/München. Der Anlass ist nichtig, als am 21. Juni 1962 eines der dunkelsten Kapitel der Geschichte der bayerischen Polizei beginnt – es ist das Kapitel, das auch 50 Jahre später noch seine Schatten werfen wird. Fünf Straßenmusiker spielen auf ihren Gitarren Volkslieder, umgeben sind sie von gut gelaunten Zuhörern, bis sich ein Anwohner beschwert und die Polizei die Musikanten verhaftet – und die fünftägigen Straßenschlachten in München beginnen. 10000 Protestierer stehen Reiterstaffeln der Polizei und ihren Schlagstöcken gegenüber. Hunderte werden festgenommen, Hunderte werden verletzt. Später werden sie als die „Schwabinger Krawalle“ bekannt sein. Gegen knapp 250 junge Leute wird später ermittelt, Haftstrafen werden verhängt. Polizisten werden kaum belangt. 143 werden angezeigt, nur einer rechtskräftig verurteilt.

Solche Statistiken haben sich bis heute kaum verändert. Hunderten von Anzeigen gegen Polizeibeamte jährlich stehen oft nicht mal eine Handvoll Verurteilungen gegenüber. Auch nach den Schwabinger Krawallen forderten Bürger und Politiker von Polizisten ein, sich durch Dienstnummern und Namensschilder zu kennzeichnen, um Bürger vor Übergriffen von Staatsbeamten zu schützen. Vor fast genau 50Jahren, am 12.Oktober 1962, lehnt das der Polizeipräsident ab. Seither erneuern Initiativen in ganz Deutschland wie beispielsweise die Bundesarbeitsgemeinschaft kritischer Polizisten immer wieder ihre Forderungen. In Bayern lehnt der Landtag Vorstöße der Opposition genauso regelmäßig ab – zuletzt im November 2011 durch die Stimmen von CSU, FDP und Freien Wählern.

Ein Polizist, dem keiner glaubt

Am Donnerstagabend verteidigt Gerhard Knorr diese Entscheidung im Namen der Polizei erneut, als er damit in einem Regensburger Gasthaus konfrontiert wurde. Für Knorr war es ein einsamer Abend, obwohl der Wintergarten des Gasthauses bis auf den letzten Platz gefüllt war. Der Polizei-Gewerkschafter saß knapp 50 Personen gegenüber, die der Einladung des Arbeitskreises sozialdemokratischer Juristen gefolgt waren. Knapp zwei Stunden wird Knorrs Folter dauern – jede Aussage wird widerlegt werden, jede Wortmeldung wird sich an ihn richten. Irgendwann wird er sich nur noch wiederholen.

 

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