Lenka Kronseder will Trachtenmode „total anders“ zeigen. Ihre Kreationen tragen auch Promis auf der Wiesn. Foto: Kronseder
Von Isolde Stöcker- Gietl, MZ, und Martina Nachtmann, dpa
Regensburg. Die Regensburger Herstdult beginnt, und auch bis zum Oktoberfest in München dauert es nicht mehr lange. Es ist wieder Dirndl- und Lederhosenzeit. „Wer auf der Wies keine Tracht trägt, fällt auf“, sagt Nina Munz, Assistentin der Geschäftsführung bei Trachten Angermaier in München. „Vor allem kommen immer mehr jüngere Menschen dazu, die Spaß an der Tracht haben“, ergänzt Gabriele Hammerschick, Leiterin der Trachtenabteilung bei Lodenfrey in München. Selbstverständlich sind die traditionellen Outfits inzwischen nicht nur auf dem Oktoberfest, sondern auch andernorts, etwa auf der Bergkirchweih in Erlangen oder auf dem Cannstatter Wasen in Stuttgart.
Neue Länge vom Knie bis zur Wade
Immer mehr Modedesigner greifen das Thema auf. Mit Astrid Söll und Lenka Kronseder verfügt auch der Raum Regensburg über zwei namhafte Vertreterinnen. „Ich will Tracht total anders zeigen“, so umschreibt Lenka Kronseder ihre Ansprüche. Sie gestaltet ihre Modelle sehr individuell. Mal kombiniert sie einen weißen Tüllrock zum roten Mieder, ein anderes Mal eine pinkfarbene Wildlederhose. „Die Kundinnen genießen die Individualität meiner Mode. Egal, ob sie ein edles Mieder, veredelt mit Swarovski-Elementen lässig zu Jeans tragen oder zu einer bestrassten Lederhose oder zu einem Rock mit aufwendig bestickten Stoffen“, sagt Kronseder. Aktuell setzt die Designerin auf kräftige Farben. „Orange, Pink, Grün, Lila, Türkis, Rot oder Royalblau.“ Aber auch klassisches Schwarz und Cremetöne bietet sie für Kundinnen an, die es nicht so bunt mögen. An Trends orientiert sich Kronseder bei ihren Designs nicht, betont sie. „Ich entwerfe Mode, die ich selbst mag.“ Bei der letzten Wiesn hat Kronseder für die Charity Wiesn Night unter anderem die Tochter von Chris des Burgh, Rosana Davidson, und Magdalena Brzeska eingekleidet. Beim Rot-Kreuz-Ball in Monaco trug die Schauspielerin Birgit Bergen ein Trachtenkleid von Kronseder. Auch die Finalistinnen der österrichischen Staffel von „Popstars“ konnte man in den Outfits der Designerin aus Kelheim sehen. Aktuell hat sie das Fotoshooting für einen Dirndlkalender ausgestattet.
Designerin Astrid Söll setzt auf Glitzer und Glamour. Foto: Fleischmann
Für Astrid Söll, die gerade auf der Salzburger Messe „Tracht und Country“ ihre neue Kollektion vorgestellt hat, ist das Dirndl „ein Ausdruck von Besonderem und Extravagantem. Ein bisschen Hollywood in Bayern.“ Die Regensburger Designerin, die zu ihren Kundinnen Claudia Effenberg und Désirée Nick zählen kann, setzt in diesem Herbst auf Glitzer und Glamour – „wie in den Kollektionen der großen Designer von Dolce Gabbana über Prada bis Louis Vuitton“. Prägend für ihre Kollektion sind die handgefertigten Glitzerschürzen mit Stickerei und aufgesetzten Steinchen. Derzeit sind Karomuster bei Söll angesagt. Die Farbpalette ist breit gefächert – von Brombeer über Senf bis hin zu Limonengrün, aber auch die klassischen Dirndlfarben sind im Angebot. Und natürlich dürfe auch ein Glitzercharini nicht fehlen, rät Söll den modisch orientierten Dirndlträgerinnen.
Bei der Dirndlmode von der Stange findet man in diesem Jahr wieder viele klassische Schnitte. Traditionell ist eine Dirndllänge, die vom Knie bis zur Wade reicht. Die Schürze endet zwei Zentimeter über dem Saum. Das Oberteil der Kleider hat meist eine tief ausgeschnittene Miederform. „Kitschige Geschichten wie Schürzen im Asia-Style sind out“, erklärt Alois Wenger, Inhaber von Trachten Wenger Austrian Style in Salzburg. Stattdessen sind sie schlichter, oft in einer Kontrastfarbe zum Kleid. Viele Schürzen können gewendet werden.
Eines ist aber recht neu: Unterröcke oder Petticoats, die dem Dirndl beim Drehen Schwung verleihen, sagt Munz. Sie können auch farbig oder mit Blümchen bedruckt sein. Sie dürfen aber nicht unter dem Kleid herausblitzen, erklärt Hammerschick.
Die Dirndl sind vor allem aus Leinen oder Baumwolle gefertigt, edlere Varianten aus Brokat oder Seide, Samt oder Jacquard, einem Stoff mit kunstvoll eingewebten Mustern. Die Schürzen sind aus Baumwolle, Seide, Seidenmischungen, Spitze und Samt. Ebenfalls aus Baumwolle werden die Blusen gefertigt, aber hier sind Seide oder zarte Organzastoffe im Kommen.
Halstuch und Schürze sind im Partnerlook. Foto: Spieth & Wensky
Absolutes Muss sind Hüte
„Absolutes Muss sind dieses Jahr Trachtenhüte mit Federn bei den Damen“, sagt Nina Munz. Die Hüte dürfen auffallen und werden sowohl in klassischen Farben wie Tannengrün als auch in modernen Interpretationen in etwa Rot oder Pink angeboten.
Die Münchner Designerin Lola Paltinge empfiehlt dazu Kropfband und Ohrringe. Zu längeren Ohrringen, die auch baumeln dürfen, rät Hammerschick. Aber: „Wer Ohrringe trägt, trägt keine Kette.“ Nina Munz gefallen Charinis. Das sind kleine Schmuckketten, die mit zwei Haken am Dirndloberteil befestigt werden.
Während die Dirndl in dieser Saison länger sind, zeigt der Mann in der Lederhose viel Bein. „Besonders beliebt ist die kurze Variante, gerade bei jungen Burschen“, sagt Alexander Negovanovic, stellvertretender Leiter der Herrentrachtenabteilung bei Lodenfrey.