Oberpfalz & Bayern 22.08.2012, 21:39 Uhr

Wiesn soll klimafreundlicher werden

Sechs Millionen Besucher essen, trinken und feiern – wirtschaftlich ist die Wiesn der Renner, ökologisch weniger. Am Öko-Image des Festes wird emsig gefeilt.

Archiv: Lebkuchenherzen mit der Aufschrift „Oktoberfest“: Das Münchner Oktoberfest feilt weiter an seiner Umweltengagement. Foto: dpa

Archiv: Lebkuchenherzen mit der Aufschrift „Oktoberfest“: Das Münchner Oktoberfest feilt weiter an seiner Umweltengagement. Foto: dpa

München. Das Waschwasser für die Bierkrüge spült die Toiletten, Einweggeschirr ist verboten, Ökostrom und Öko-Gas bessern die Umweltbilanz auf – das Münchner Oktoberfest feilt seit Jahren an seinem Öko-Image. Jetzt soll ein Teil des Erlöses aus dem Verkauf von Lebkuchenherzen einem Projekt zur CO2-Reduktion zugutekommen – die Herzen bekommen das Label „Klimaherzen“. Der Initiator Izai Amorim hat sich darüber hinaus ein großes Ziel gesetzt: Er will Wiesnbesucher als „Mr Cool Ness“ das CO2-Sparen lehren – und auf diesem Weg das größte Volksfest der Welt klimaneutral machen.

Bei Naturschützern herrscht Skepsis. „Als Bund Naturschutz stehen wir diesem Freikauf kritisch gegenüber“, sagt der BN-Landesbeauftragte Richard Mergner. „Sicherlich ist es sinnvoll, dass man versucht, einen Ausgleich zu schaffen. Bei der Wiesn scheint es eher ein grünes Feigenblatt zu sein. Für uns wäre wichtiger, dass der Anteil der Lebensmittel aus ökologischem Anbau massiv anwächst.“ Damit könne direkt ein Beitrag zum Klimaschutz und zum Tierwohl geleistet werden. Jeder könnte dann mit besserem Gewissen sein Bier trinken – „aber nicht, wenn man sich ein Pseudoklimaherz umhängt.“

Drei Millionen Kilowattstunden Strom

Fast acht Millionen Maß Bier, gut eine halbe Million Hendl, 70.000 Schweinshaxen und mehr als 200 Ochsen und Kälber verzehrten die Besucher im vergangenen Jahr. Zwar sollten die Menschen bei ihm lernen, zugunsten des Klimaschutzes weniger Fleisch zu essen, sagt Amorim – aber nicht gerade auf der Wiesn. Wer extra von weit anreist, will nicht nur eine Tofu-Wurst kauen.

Drei Millionen Kilowattstunden Strom verschlingen Fahrgeschäfte, Zelte, Schau- und Verkaufsbuden – der Jahresverbrauch von 1200 Haushalten. Höher, schneller, weiter katapultieren Fahrgeschäfte die Gäste weit in den hell erleuchteten Nachthimmel. Das gehört dazu. „Wir wollen den Leuten das Feiern nicht verbieten“, sagt Mergner. „Die Wiesn hat sich sicher etwa bei der Verwendung von Ökostrom schon auf den Weg gemacht.“

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