Oberpfalz & Bayern 11.11.2011, 21:37 Uhr

Zweites Opfer packt gegen Russenmafia aus

Mord hinter Gittern: Ein Kronzeuge der Bluttat in der JVA Straubing schildert die tödliche Messerstecherei.


        Der Prozess am Landgericht Regensburg findet unter strengsten Sicherheitsvorkehrungen statt. (Foto: Tino Lex)

Der Prozess am Landgericht Regensburg findet unter strengsten Sicherheitsvorkehrungen statt. (Foto: Tino Lex)

Von Marion von Boeselager, Mz

Regensburg . Höchste Sicherheitsstufe im Prozess um einen Häftlingsmord in der JVA Straubing: Am dritten Verhandlungstag werden die Kontrollen und Straßensperren weiter verschärft. Drei schwarze Limousinen steuern am Freitag das Regensburger Justizgebäude an. In einer befindet sich der Kronzeuge Eugen B. (43), ein wegen Mordes verurteilter Moldawier. Er überlebte die Messerstecherei in einer Zelle des Hochsicherheitsgefängnisses vor drei Jahren schwerverletzt und war Augenzeuge der Attacken gegen das Mordopfer.

Ein Grund der extremen Vorsichtsmaßnahmen: Die Ermittler glauben, dass die „Russenmafia“ die Vorgänge hinter den Gefängnismauern steuerte.

Russen agierten nach hierarchischen Strukturen

Sicherheitskräfte bringen am Freitag den mit Handschellen und Fußketten gefesselten Zeugen in den Schwurgerichtssaal. Der widerspricht sogleich der Einlassung eines Angeklagten, in der JVA seien „alle gleich“ gewesen. Es habe sehr wohl hierarchische Stukturen unter den russischstämmigen Häftlingen gegeben.

Sprecher und Verwalter der internen Gemeinschaftskasse „Obschtschak“ sei der Hauptangeklagte Konstantin F. (45) gewesen. „Er hat entschieden, was zu tun ist.“ Aber anders als frühere Verwalter habe er starken Druck auf die Gefangenen ausgeübt, einzuzahlen. Der Frage des Vorsitzenden Richters Werner Ebner nach einem Ex-Verwalter namens Bor (Alexander Bor gilt als „Pate“ der Russenmafia) geht der Zeuge allerdings nicht ein.

Mehrere Häftlinge hätten bei ihm wegen des Drucks geklagt, so der Zeuge. Von einem Häftling seien gar 5000 Euro verlangt worden, die er nicht hatte. Als Andreas J., das spätere Opfer, erfuhr, dass der „Chef“ 1000 Euro aus dem Obschtschak abzweigen wollte, um seiner Ehefrau eine Goldkette zu kaufen, habe er mit ihm reden wollen. Doch, so der Zeuge und Vertraute des Opfers, F. sei der Bitte um ein Vier-Augen-Gespräch ausgewichen.

 

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