Panorama 08.03.2013, 06:53 Uhr

Blumen und Gleichheit für die Frau

In Teilen Osteuropas ist der Frauentag ein wichtiger Feiertag. Anstatt der Gleichberechtigung wird die Weiblichkeit und Mutterschaft gefeiert.

Die Ärztin Renata Rynhevich kommt aus Weißrussland. Am 8. März erwartet sie Blumen und rund ums Jahr gleiches Recht für Frau und Mann. Foto: Siemens

Die Ärztin Renata Rynhevich kommt aus Weißrussland. Am 8. März erwartet sie Blumen und rund ums Jahr gleiches Recht für Frau und Mann. Foto: Siemens

Von Erika Neufeld, MZ

Minsk. Wenn am 8. März der Wecker von Renata Rynhevich klingelt, dann wünscht sie sich vielleicht einen kurzen Moment lang, sie wäre in ihrer Heimat Weißrussland. Dann könnte sie sich noch einmal auf die andere Seite drehen und weiterschlafen. Der Internationale Frauentag ist in Weißrussland und in vielen weiteren osteuropäischen Staaten ein gesetzlicher Feiertag – und arbeitsfrei für alle. Die Ärztin Rynhevich aber lebt und arbeitet in Deutschland – und hier ist der 8. März nicht arbeitsfrei. Sie wird also aufstehen müssen und sich auf einen langen Tag im Johannes-Wesling-Krankenhaus im Weserbergland vorbereiten. Bevor sie aber in die Arbeit fährt, wird sie ganz sicher von ihrem Mann mit einem Strauß Blumen überrascht werden. Tulpen, Nelken oder Mimosen werden typischerweise am Frauentag geschenkt.

Schon Schüler feiern Frauentag

Der Frauentag ist ein fester Bestandteil der weißrussischen Kultur. Jede Frau wird beschenkt und beglückwünscht – selbst die Jüngste. In den Schulen bereiten die Jungen für ihre Mitschülerinnen kleine Konzerte und Geschenke vor. In der Arbeit werden Frauen von Kollegen und Vorgesetzten beschenkt. Zuhause übernimmt der Ehemann das Regiment im Haushalt.

„An diesem Tag fühlt sich jede Frau ganz besonders weiblich“, erzählt Rynhevich. Der Tag gilt allen Frauen – und nicht allein Verliebten oder Müttern. Bevor aber der Verdacht aufkommt, Männer befänden sich im Nachteil: Am 23. Februar wird in Weißrussland den Verteidigern des Landes gedacht und Männer bis heute als Nationalhelden gefeiert. Renata Rynhevich hat viele schöne Erinnerungen an den Frauentag. Sie will ihn nicht missen.

Wie sie verbinden wenige Osteuropäer den Frauentag mit Feminismus oder mangelnder Gleichberechtigung – der historische Hintergrund scheint vergessen. Rund einhundert Jahre sind vergangen, seit die deutsche Sozialistin und Frauenrechtlerin Clara Zetkin Gleichheit zwischen Frau und Mann forderte und den Frauentag ins Leben rief. Seither hat sich zwar vieles getan für Europas Frauen – völlig gleichberechtigt sind sie aber immer noch nicht. Zetkins Forderungen haben noch heute ihre Berechtigung. Aber statt am 8. März besonders auf Missstände und Ungerechtigkeiten hinzuweisen, steht in den osteuropäischen Ländern die Weiblichkeit und Mutterschaft im Vordergrund.

 

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