Til Schweiger als Max Fischer und Luna Schweiger als Nina im Actiondrama „Schutzengel“ Foto: Warner Bros.
Herr Schweiger, an einen Actionthriller mit Feuergefechten auf deutschem Boden muss sich der Kinogänger erst gewöhnen.
Ja. Als wir in den 90ern „Knockin’“ gemacht haben, war das auch ein Film, wie es ihn bisher noch nicht gegeben hatte. Die Zuschauer haben sich schnell daran gewöhnt.
Wie wichtig war Ihnen der Aspekt der deutschen Heimkehrer von internationalen Kriegsschauplätzen?
In erster Linie wollte ich ein Actiondrama machen und diese fiktive Geschichte erzählen. Ich habe mich monatelang mit Paul, einem Elitesoldaten, unterhalten und daraufhin das Drehbuch geschrieben. Viele Dialoge im Film stammen aus diesen Gesprächen.
Gibt es schon Reaktionen auf den Film?
Wir haben „Schutzengel“ dem Veteranenverband gezeigt. Dort sagte man, den Film müssten die Jungs in Afghanistan sehen. Wir waren dann vier Tage da unten, haben unzählige Gespräche geführt. Viele Soldaten sind traurig darüber, dass ihre Leistung nicht anerkannt wird. Wenn der Film helfen würde, über dieses Thema zu reden, wäre schon viel getan.
Hat es dem Regisseur von „Keinohrhasen“ und „Kokowääh“ Spaß gemacht, es mal richtig krachen zulassen?
Die Actionszenen waren sehr aufreibend. Auch wenn es keine richtige Munition ist, wird ja trotzdem mit Sprengladungen gearbeitet. Man steht ständig unter Spannung. Man hofft, dass alles gutgeht. Ich habe dann doch ein bisschen was abgekriegt. Das ist anstrengend, aber es macht auch Spaß.
Können Sie mittlerweile alles machen, was Sie sich wünschen?
Momentan ist die Lage sehr gut. Wenn „Schutzengel“ überhaupt nicht funktionieren sollte und ich danach noch einmal einen Film mit hohem Actionanteil machen wollte, wäre es schwieriger. Man hat es immer nur so gut, wie es der Erfolg der letzten Filme zulässt.
Ihre Tochter Luna spielt in „Schutzengel“ die weibliche Hauptrolle.
Ich wusste, dass sie das kann. Ich habe mit ihr „Phantomschmerz“ gedreht. Das hat sie super gemacht. Ich habe Luna nicht gecastet, sondern von Anfang an gesagt, dass ich den Film mit ihr machen will. In dieser Hinsicht vertraue ich auf meine Fähigkeiten als Regisseur.
Welche Gefühle hat die Schießerei in einem US-Kino bei Ihnen ausgelöst?
Ich war entsetzt. Unter den Opfern waren Soldaten, die mehrfach im Irak im Einsatz waren und das überlebt haben, um dann in ihrer Freizeit erschossen zu werden. Das hat mich sehr mitgenommen. Aber ich hatte nicht das Gefühl, den falschen Film zum falschen Zeitpunkt gemacht zu haben.
Warum nicht?
Ich bin der Überzeugung, dass mein Film Gewalt nie verherrlicht. Mein Held ist einer, der nicht mehr kämpfen will. Es ist völlig klar, dass er unter seinen Taten leidet.
Ist „Schutzengel“ ein Jungsfilm?
Nein. Ich finde, dass es ein Film für beide Geschlechter ist. Wenn jemand einen reinen Actionfilm sehen will, muss ich ihn warnen: Es wird viel geredet und es werden viele Emotionen serviert.
Demnächst wird man Sie als „Tatort“-Kommissar erleben.
Ich habe in den letzten 15 Jahren nur Kinofilme gemacht und immer gesagt, Fernsehen mache ich irgendwann später. Nun mache ich es ein bisschen früher als geplant. Es ist ein Schritt auf unbekanntes Terrain, ein Schritt, auf den ich mich wahnsinnig freue. Ich möchte am Anfang nur einen „Tatort“ im Jahr machen, um noch genug Zeit für meine Kinofilme zu haben.
Was macht Ihren Kommissar aus?
Ich wollte nie ermitteln, wer in Blankenese die Millionärsgattin mit dem Kronleuchter erschlagen hat. Mein Kommissar kommt vom SEK aus Frankfurt und hat sich aus familiären Gründen nach Hamburg versetzen lassen. Er ist ein erklärter Feind der organisierten Kriminalität. Wir wollen einen Kommissar, der physisch aktiv wird.
Ihre relativ harmlose Bemerkung, dass Sie die Titelmelodie von „Tatort“ nicht mögen, hat hohe Wellen geschlagen.
Ich habe auf die spekulative Frage, was ich gern ändern würde, rumgestottert: „Keine Ahnung, den Vorspann vielleicht. Den finde ich Scheiße.“ Wenn ich gewusst hätte, was das auslöst, hätte ich es nicht gesagt. Es ist legitim, wenn Leute den 40 Jahre alten Vorspann geil finden. Mir gefällt er nicht.
Wie sind Sie mit den Reaktionen umgegangen?
Als sich ein sogenannter Kollege geäußert und meine Absetzung gefordert hat, habe ich einen kurzen Moment das Gefühl gehabt, jemanden mal was vorn Kopp hauen zu müssen. Das hat sich zum Glück schnell gelegt.