Panorama 07.06.2011, 16:51 Uhr

EHEC: Stochern im Nebel

Auf eine Sprossen-Packung eines Patienten hatten Experten große Hoffnungen gesetzt – doch auch diese Spur hat sich zerschlagen.

Wo die EHEC-Welle ihren Ursprung nahm, ist derzeit immer noch unbekannt.

Wo die EHEC-Welle ihren Ursprung nahm, ist derzeit immer noch unbekannt.

Hamburg. Die EHEC-Ermittler haben einen neuen Rückschlag erlitten. Die von einem Patienten aus Hamburg abgegebene Sprossen-Probe ist EHEC-frei, wie Gesundheitssenatorin Cornelia Prüfer-Storcks (SPD) am Dienstag sagte. Es sei für alle Beteiligten „absolut unbefriedigend und auch beängstigend, dass die Quelle noch nicht gefunden wurde“.

Der 42-jährige Hamburger hatte das Sprossengemüse eines inzwischen gesperrten Hofs in Niedersachsen im Kühlschrank vergessen. Die mehrere Wochen alte Packung hätte den Behörden dabei helfen können, die Infektionsquelle zweifelsfrei nachzuweisen. Erste Laborproben aus dem betroffenen Hof in Bienenbüttel waren am Montag ebenfalls negativ ausgefallen. Der Betrieb war in Verdacht geraten, weil er zahlreiche Lokale und Kantinen beliefert hatte, von denen Gäste erkranken.

Bundesweit rund 3000 EHEC-Fälle

Das Vorgehen des niedersächsischen Verbraucherschutzministers mit der Warnung vor Sprossen hält Prüfer-Storcks für richtig. „Ich bin der Meinung: Gesundheitsschutz ist keine Verhandlungssache, geht in jedem Fall vor.“

Derzeit sind bundesweit rund 3000 EHEC-Fälle und -Verdachtsfälle registriert. Mindestens 21 Menschen sind nach Angaben von Behörden gestorben. In den besonders betroffenen Ländern Hamburg und Niedersachsen flachte der Anstieg der Infektionszahlen ab. Dagegen ist die Zahl der Menschen, die sich in Schleswig-Holstein mit EHEC ansteckten, innerhalb eines Tages um fast 100 auf 676 gestiegen.

Das Robert Koch-Institut (RKI) nennt mehrere Gemüsesorten als mögliche EHEC-Träger. Die erste Patientenbefragung, die ein erhöhtes Erkrankungsrisiko nach dem Verzehr von Tomaten, Gurken und Salat gezeigt habe, sei durch weitere Untersuchungen bestätigt worden. Nur wenige Erkrankte hätten angegeben, Sprossen gegessen zu haben. „Nach gegenwärtigem Kenntnisstand ist es möglich, dass mehrere Gemüsesorten Überträger des EHEC-Bakteriums sind.“ Eine neue Studie frage nun speziell auch nach dem Verzehr von Salatzutaten inklusive Sprossen.

 

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